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Allein mit Sonnenkraft um die Erde

Länder: Welt

Tags: Solar Impulse 2, Flugzeug, Technik

Einmal um die Welt in 12 Etappen. Und das ausschließlich mit Sonnenenergie. 12 Etappen für die 12 Jahre, in denen die zwei Schweizer Tüftler und Abenteurer Bertrand Piccard und André Borschberg dieses, in jeder Beziehung außergewöhnliche Projekt auf die Beine gestellt haben.  Sie wollen den Einsitzer abwechselnd steuern, den Anfang machte am frühen Morgen André Borschberg von einem Militärflughafen in Abu Dhabi. Hier soll der Solarflieger, wenn alles gut geht, in rund fünf Monaten auch wieder landen und dann hoffentlich seine Mission erfüllt haben: Die Entscheidungsträger der Welt zu mehr Einsatz für erneuerbare Energien zu bewegen. Lesen Sie unsere Interviews zum Potential von Solarenergie und informieren Sie sich auf unserer Weltkarte über die 12 geplanten Etappen. 

Solar Impulse 2 im Etappenziel Indien:

 

Solar Impulse 2 en Inde

 

Zahlen und Fakten zum Airbus A380 und zum Solar Impulse 2:

 

 

 

Die Flugroute im Überblick:

 

 

 

Welches Potential besitzt die Photovoltaik? Und wo sind der Solarenergie Grenzen gesetzt? Diese Fragen haben wir zwei ausgewiesenen Energiexpertinnen gestellt: Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) und Dr. Nina Scheer, die für die SPD im Bundestag sitzt.

 

ARTE Journal: Wie beurteilen Sie das heute gestartete Abenteuer von "Solar Impulse 2"?

Ob die Welt zukünftig wirklich mit Solarenergie wird fliegen können, hängt entscheidend von technologischen Innovationen ab.

 

Claudia Kemfert: Es ist ein hervorragendes Projekt. Die Solarenergie steht über den Wolken ohnehin grenzenlos zur Verfügung. Das positive Signal für erneuerbare Energien, welches man mit einem derartigen Solarflug der Welt sendet, ist großartig. Ob die Welt zukünftig wirklich mit Solarenergie wird fliegen können, hängt entscheidend von technologischen Innovationen ab. Pioniere wie Piccard und Borschmann werden gebraucht, um Grenzen zu überwinden und die wichtigen Signale für mehr Innovationen zu geben.

 

Nina Scheer: Alleine die öffentliche Aufmerksamkeit, die diesen Flug begleitet, zeigt in wegweisender Form die Möglichkeiten der Photovoltaik. Es geht natürlich nicht darum, gleich morgen Passagierflugzeuge mit Photovoltaik zu betreiben, sondern darum, das Potential dieser Energieform vor Augen zu führen. Solar Impulse 2 hat für mich in erster Linie eine symbolische Funktion.  

 

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wird in Deutschland die Nutzung erneuerbarer Energien gesetzlich geregelt. Wie lautet Ihre Zwischenbilanz zum EEG ?

Nina Scheer: Ich erachte das EEG als eine Erfolgsstory. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz wurden Investitionsanreize geschaffen, auf dezentraler Ebene neue Energieakteure zu gewinnen. Damit ist es ein gesellschaftliches Projekt, das eine große aufklärende Wirkung besitzt. Das EEG hat in einer nicht erahnten Weise den Ausbau der eneuerbaren Energien beschleunigt, womit natürlich die herkömmlichen Energiegewinnungsmöglichkeiten in absehbarer Zeit  ins Hintertreffen geraten. Und das provoziert Intressenkonflikte.  

 

Claudia Kemfert: Das EEG ist ein erfolgreiches Instrument. Es hat dazu geführt, dass die erneuerbaren Energien immer mehr an Bedeutung gewinnen, die Kosten sind massiv gesunken. Zudem hat das EEG dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen erneuerbare Energien nutzen, die Energieversorgung wird dezentraler, innovativer, demokratischer und flexibler. Zudem müssen weniger fossile Energien importiert werden, dies spart Geld und erhöht zudem die Energiesicherheit.

 

Abgesehen von der privaten Energiegewinnung durch Solar Panele auf dem Dach, wo liegt das große Potential für Solarenergie ?

Nina Scheer: Photovoltaik hat die Besonderheit, sehr vielfältig einsetzbar zu sein. Es gab hier in den letzten Jahren enorme Innovationsfortschritte. Photovoltaik kann dezentral und auf ganz unterschiedlichen Oberflächenstrukturen verwendet werden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit und der massenhaften Anwendung - und der damit einhergehenden Senkung der Herstellungskosten - dann wird Photovoltaik ein allgegenwärtig und allseits verfügbares Element der Energieversorgung sein. Und das weltweit.

 

Wenn die Speichermedien weiterentwickelt werden, sind auch solarbetriebene Flug- oder Fahrzeuge oder Schiffe denkbar.

 

Claudia Kemfert: Die größten Potentiale liegen in der Energiegewinnung, auch mittels größeren Kraftwerken samt Speicher oder auch Entsalzung von Meerwasser. Zudem kann mit Solarenergie beispielsweise Treibstoff wie Wasserstoff hergestellt werden, mit dem dann Turbinen oder Fahrzeuge angetrieben werden können. Wenn die Speichermedien weiterentwickelt werden, sind auch solarbetriebene Flug- oder Fahrzeuge oder Schiffe denkbar.

 

 

Welche Grenzen sind der Nutzung von Photovoltaik gesetzt, zum Beispiel bei der Speicherung?

Claudia Kemfert: Die Sonne steht nahezu unbegrenzt zur Verfügung, das energetische Potential ist riesig. Schon heute kann man Solarenergie speichern, der technologische Wandel geht voran. Wenn man mit Solarenergien neue Treibstoffe herstellt, sind grundsätzlich wenig Grenzen gesetzt. Die zukünftige globale Energieversorgung wird zu großen Teilen auf Solarenergie bauen.

 

Nina Scheer: Die Speicherbarkeit ist technisch kein Problem, die Problematik ist vor allem ökonomischer Natur. Jede Umwandlung einer Energie ist mit zusätzlichem Aufwand und Verlusten verbunden. Aber die Speicherbarkeit kann auch eine Entlastung an anderer Stelle bringen, zum Beispiel wenn man kein Netz aufbauen muss. Das sieht man vor allem in Gegenden, in denen es noch kein Netz gibt, dann ist die Speicherbarkeit nämlich kein ökonomisches Hinderniss mehr. Der massive Ausbau der Photovoltaik in Europa in den letzten Jahren zeigt, dass es sich hier um eine lohnendes Geschäft handelt. 

 

Wie schätzen Sie das wirtschaftliche Potential der erneuerbaren Energien und der Solarenergie im Speziellen ein?

Claudia Kemfert: Die Solarenergie wird immer preiswerter, Ihr Einsatz steigt in vielen Ländern der Welt massiv an. Selbst in Entwicklungsländern werden Solaranlagen eingesetzt, auch in Regionen ohne Zugang zum Stromnetz. Dies ist ein großer Erfolg. Die Bedeutung der erneuerbaren Energien wird weiter zunehmen.

 

Wenn man richtig rechnet, sind die erneuerbaren Energien heute schon die billigsten Energien. Unser Problem ist eher ein gesellschaftliches.


 

Nina Scheer: Wenn man richtig rechnet, sind die erneuerbaren Energien heute schon die billigsten Energien. Unser Problem ist eher ein gesellschaftliches. In der volkswirtschaftlichen Betrachtung, also im Vergleich der Kosten für Energiegewinnung, haben wir uns daran gewöhnt, die Hauptbelastungen und damit auch die größten Kostenfaktoren bei der Gewinnung und dem Verbrauch fossiler Energien gar nicht mit zu berechnen. Ich spreche hier von Verschmutzungspotentialen, Risikofaktoren für Gesundheit und Umwelt, Versicherungskosten, Endlagerkosten für nukleare Energie etc. Wir brauchen hier einen gesellschaftlichen Wandel, um diese Falschberechnungen zu korrigieren.

Mehr zu diesem Thema: 
Eine wahre Fundgrube ist die 1988 gegründete Europäische Vereinigung für erneuerbare Energien e.V., kurz Eurosolar.
Solide Daten zum deutschen Energiehaushalt und dem Anteil der erneuerbaren Energien finden Sie beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.   
Hier kann man das Flugabenteuer in Echtzeit mitverfolgen.

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016