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Alexis Tsipras: von der Opposition an die Macht?

Länder: Griechenland

Tags: Syriza, Parlamentswahl

Mit 40 Jahren könnte der Chef der radikalen Linkspartei Syriza, der Favorit der Meinungsumfragen, nach den Parlamentswahlen am 25. Januar 2015 durchaus der neue griechische Premierminister werden. Wer ist er wirklich?

Schwerpunkte des Wirtschaftsprogramms von Syriza


- Die Partei von Alexis Tsipras will eine Umschuldung Griechenlands. Die griechische Staatsverschuldung beträgt beinahe 180 % des BIP; drei Viertel der Schulden sind im Besitz der Länder der Euro-Zone. Ursprünglich wollte Syriza den Euro abschaffen, wenn sie an die Macht kommt, ist dann aber davon abgekommen, wie in der letzten Fassung ihres Programms nachzulesen.

- In der Arbeits- und Sozialpolitik plant die Koalition der radikalen Linken die Schaffung von 300 000 Arbeitsplätzen im privaten und öffentlichen Sektor, insbesondere in der Solidarwirtschaft, sowie die Erhöhung des Regelmindestlohnes auf das frühere Niveau von 751 Euro pro Monat.

- Zu den Wahlversprechen zählen auch die kostenfreie Nutzung von Strom, Nahrungsmitteln, Gesundheitseinrichtungen und öffentlichen Verkehrsmitteln für Haushalte, die unterhalb der Armutsgrenze leben, sowie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Heizöl.

Der Feind der Sparpolitik

Griechenland wird nicht nach der Pfeife der Märkte tanzen, sondern das Gegenteil wird geschehen, wenn wir dran sind“, so Alexis Tsipras in seiner Rede auf Kreta. Diese Worte zeigen den Anspruch seiner Partei, Syriza (Akronym für „Koalition der radikalen Linken“). Syriza will die zwanghaft gewordene Austeritätspolitik beenden und die Unzufriedenheit der Bevölkerung nutzen: Die Griechen sind der Sparsamkeitsmaßnahmen überdrüssig, die ihnen von den Geldgebern der Europäischen Union (EU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) abverlangt werden.

Ein normaler Kandidat

In Griechenland wird Alexis Tsipras als normaler Kandidat angesehen: Trotz seiner 40 Jahre wirkt er wie der junge Mann von nebenan. Der Spitzenkandidat der in den Umfragen favorisierten Partei für die Parlamentswahlen am 25. Januar pflegt weiter sein Image als Alltagstyp. In dieser Beliebigkeit sehen seine Kritiker eine Schwäche und das Zeichen von Inkompetenz. Oft sprechen sie von der „Illusion Tsipras“.

Ein frühreifer Tribun

Der starke Mann der griechischen Opposition gilt den Einen als Populist, den Anderen als glänzender Redner. Im Allgemeinen spricht er frei, prangert die Missstände an und gebraucht geschickt das Mittel der Ironie. Mit nur 31 Jahren wurde er zum Stadtrat von Athen gewählt. Zwei Jahre später, 2008, gelang dem Vater von zwei Kindern der Aufstieg zum jüngsten Parteivorsitzenden in der Geschichte Griechenlands.

Ein linksextremer Aktivist

Der gelernte Bauingenieur entstammt dem Athener Kleinbürgertum und begeisterte sich schon in der Gymnasialzeit für Politik. Schnell engagierte er sich beim kommunistischen Jugendverband und bei allen Studentenbewegungen. 1999, mit 25 Jahren, wurde er Erster Sekretär der Partei Synaspismos, aus der Syriza hervorging. Seit 2010 ist er ebenfalls Vizepräsident der Partei der Europäischen Linken.

Franck Berteau

Zuletzt geändert am 16. Januar 2017