Alaa el Aswany: Autor der ägyptischen Revolution

Länder: Ägypten

Tags: El Aswani, Schriftsteller, Révolution

Der ägyptische Schriftsteller Alaa el Aswany, einer der prominentesten Autoren seines Landes, veröffentlicht einen neuen Roman. „Der ägyptische Automobil-Club“ spielt zwar in den 40-er Jahren, doch in dem Roman geht es auch um Herrschaft und Diktatur – Themen, die in dem von der Armee beherrschten Land mehr denn je brandaktuell sind.

Das zeigt auch der Massenprozess in der Nähe von Kairo, bei dem am Montag 529 Anhänger des gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi wegen Mordes zum Tode verurteilt wurden. Ihnen wird die Teilnahme an Unruhen im Sommer 2013 gegen die Entmachtung Mursis durch das Militär vorgeworfen. Alaa el Aswany, der die Politik der neuen Regierung scharf kritisiert, zeichnet in seinem Roman das Porträt der aktuellen ägyptischen Gesellschaft. Seine Geschichte ist auch ein Spiegel seines Landes nach der Revolution.  Unsere Kairo-Korrespondentin Marion Touboul hat den Freigeist getroffen.  

Égypte : le dernier El Aswany

Alaa El Aswany im Kurzporträt

 

Alaa El Aswany wurde am 26. Mai 1957 in Kairo geboren. Seit seinem Studium der Zahnmedizin in Ägypten und den USA arbeitet er als Zahnarzt in Kairo.

 

2002 veröffentlichte Aswany seinen Erstlingsroman „Imarat Ya’qubian“, der in der arabischen Welt zum Bestseller wurde. 2004 wurde er ins Englische, 2006 ins Französische und 2007 ins Deutsche übersetzt. Der Jakubijân-Bau schildert das Zusammenleben fiktiver Bewohner eines Wohngebäudes in Kairo und rührt an zahlreichen Tabus der ägyptischen Gesellschaft wie Korruption, Heuchelei in der Sexualmoral, Gewalt, Homosexualität und Klassenunterschiede. Der Roman wurde 2005 verfilmt und gilt als die bislang teuerste Filmproduktion Ägyptens.

2004 brachte Aswany den Erzählungsband „Nīrān ṣadīqa“ heraus (Deutscher Titel von 2009: „Ich wollt‘, ich würd‘ Ägypter“). In seinem dritten Werk „Shikaju: riwayah“ von 2006 kritisierte er den damaligen Staatspräsidenten Hosni Mubarak. Er trat daneben als kritischer Publizist in Erscheinung und gilt als einer der intellektuellen Vorkämpfer des arabischen Frühlings in Ägypten.


In diesem Monat erscheint sein bereits in Ägypten gefeierter Roman „Der Ägyptische Automobil-Club“ in französischer Übersetzung. Wie in seinem ersten Roman erzählt Aswany von Ägyptens geteilter Gesellschaft, nur dass die Geschichte in den 1940er Jahren spielt vor dem Hintergrund des britischen Kolonialismus. Dem Autor zufolge wirken die Ereignisse der Geschichte bis in die Gegenwart nach. Das Buch kommt in Deutschland erst im Februar 2015 in deutscher Übersetzung auf den Markt.

 

Bücher über den Arabischen Frühling:

 

Raja Alem

"Das Halsband der Tauben", Unionsverlag Zürich, 2013 

In einer Gasse in Mekkas Altstadt wird eine unbekannte Tote gefunden, nackt, mit entstelltem Gesicht. Die Bewohner sind in Aufruhr, und allmählich kommen verborgene Geheimnisse an den Tag: verbotene Liebesbeziehungen, Familientragödien, aber auch zwielichtige Geschäfte inmitten dieser aufgewühlten Stadt, in der religiöse Tradition und brutale Spekulation aufeinanderprallen. Inspektor Nassir wird mit der Untersuchung beauftragt. Er taucht ein in die Lebensgeschichten von zwei vermissten Frauen, die an den Hindernissen ihrer Umgebung zerbrochen sind. Bald stößt er auf bedrohliche Mächte: Korruption und Immobilienprojekte bedrohen die alte, ehrwürdige, heilige Stadt Mekka.
Raja Alems Mekka ist ein Ort der Gegensätze: aufrichtig und bestechlich, reich und arm, sündig und rein. Geschichte, Gegenwart und Fantasie vereinigen sich zum Lebensbild einer Stadt, die so in der Literatur noch nie beschrieben wurde.

 

Tahar Ben Jelloun

"Arabischer Frühling - Vom Wiedererlangen der arabischen Würde", Berlin Verlag, 2011

Das Zentrum der Welt hat sich nach Nordafrika verlagert. Ägypten, Tunesien, Libyen. Welche anderen Länder werden noch folgen? Das Volk geht auf die Straße und besetzt die Plätze: Kifaya - es reicht! Manchmal solidarisieren sich Polizei und Militär und alles geht ganz schnell, in anderen Fällen wird die Revolte blutig unterdrückt. Diese Länder sind dabei, den Wert von bürgerlichen Freiheiten und der Autonomie des Individuums zu entdecken, erklärt Tahar Ben Jelloun. Es ist wie der Fall einer riesigen Berliner Mauer. Nichts wird mehr sein wie zuvor, weder in der arabischen noch in der westlichen Welt. Nach seinen Bestsellern über den Rassismus und über den Islam wendet sich der marokkanische Autor mit französischem Pass der unmittelbaren Aktualität zu, erklärt die kulturellen und historischen Hintergründe, stellt aber auch ein paar unbequeme Fragen an den Westen. (Klappentext)

 

Samar Yazbek

"Schrei nach Freiheit – Bericht aus dem Inneren der syrischen Revolution", Nagel und Kichme Verlag Zürich, 2012

"Ich glaube nur, was ich mit eigenen Augen sehe" - mit diesem Vorsatz nimmt die Journalistin Samar Yazbek an der Revolution gegen das Regime al-Assads in Syrien teil. Sie geht auf die Straße, befragt Demonstranten, aus der Haft entlassene Dissidenten, aber auch Polizisten. Bald wird sie selbst in die Ereignisse hineingezogen und mehrmals verhaftet und misshandelt. In eindringlichen Bildern erzählt Yazbek von Protest, Folter und Verzweiflung in Arabien. Als sie erfährt, dass ihr Name auf einer Todesliste steht, flieht sie mit ihrer Tochter ins Ausland. Yazbeks Erlebnisbericht ist ein erschütterndes, sprachlich brillantes Dokument über Widerstand und Menschlichkeit. Mit einem Vorwort von Rafik Schami. (Klappentext)

 

Chalid Al-Chamissi

"Arche Noah – Roman aus Ägypten", Lenos Verlag Basel, 2013 

In seinem Roman erzählt der Bestsellerautor Chalid al-Chamissi die ineinander verwobenen Schicksale von Menschen, die mangels Perspektiven aus Ägypten emigriert sind oder dies vorhaben. Ein junger diplomierter Jurist findet keine seiner Qualifikation angemessene Stelle und sucht sein Glück in einer Scheinheirat mit einer Amerikanerin. Seine Exverlobte wird unterdessen von ihren Eltern genötigt, einen Ägypter zu heiraten, der in New Jersey ein Restaurant betreibt. Dessen Koch, der nach einer Odyssee durch Südamerika illegal in die USA gelangt ist, tritt in die Dienste eines zwielichtigen ägyptischen Geschäftsmanns, dessen Sohn in London ein ausschweifendes Leben führt.

Da sind außerdem der Philosophieprofessor an einer britischen Universität; dessen Cousin, der beim Versuch über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen beinahe ertrinkt; ein junger Nubier aus Assuan; ein gewiefter Menschenschmuggler; eine koptische Ärztin; eine Prostituierte. Ein Platz auf der Arche Noah ist ihre Chance für ein besseres Leben.
 

Jean-Pierre Filiu und Cyrille Pomes

"Der arabische Frühling", Carlsen Verlag, 2013

Am 17. Dezember 2010 beschlagnahmt die Polizei in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid den Obst- und Gemüsekarren eines jungen Straßenverkäufers - das Einzige, das er besaß, um seine Mutter und seine sechs Geschwister zu ernähren. In einer letzten Geste des Protests gegen jahrelange Schikanen und Demütigungen zündet sich Mohamed Bouazizi selbst an. Seine Tat löst Unruhen aus, die bald auf ganz Tunesien übergreifen. Ein despotisches Regime, das als unverwundbar galt, wird innerhalb von drei Wochen hinweggefegt. Es ist der Beginn des Arabischen Frühlings, der bis heute andauert und eine ganze Region erschüttert. Jean-Pierre Filiu und Cyrille Pomès schildern diese Ereignisse aus allernächster Nähe und stellen dabei jene in den Mittelpunkt, die dieser Welle des Protests ein Gesicht gaben: mutige Frauen und Männer, die ihr Engagement nicht selten mit dem Leben bezahlt haben. Sie verdienen es, dass wir uns an sie erinnern.