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Aids: Wie ist der aktuelle Stand?

Länder: Welt

Tags: HIV, UNO, aids

Als die US-Seuchenbehörde vor 35 Jahren erste Aids-Fälle meldete, ahnte niemand, zu welch gewaltiger Epidemie HIV heranwachsen würde. Mit Investitionen in Milliardenhöhe will die Weltgemeinschaft die Krankheit nun bis 2030 ausmerzen. Vom 07. Bis zum 10. Juni findet aus diesem Anlass in New York ein Treffen der UN-Vollversammlung zum Kampf gegen HIV/Aids statt. In den letzten Jahren konnten bereits große Erfolge im Kampf gegen das Virus erzielt werden, vor allem bei der Mutter-Kind Übertragung, doch gewonnen ist der Kampf gegen die Krankheit noch lange nicht. 

HIV-Infektionen

 

Während in Deutschland die Neuinfektionszahlen mit geschätzten 3.200 Fällen in 2013 vergleichsweise niedrig sind, ist die Situation in einigen Ländern und Regionen zum Teil immer noch dramatisch. 36,7 Millionen Menschen leben nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit mit dem Aids-Erreger HIV, davon infizierten sich 2,1 Millionen im vergangenen Jahr. Die Vision, die Krankheit bis 2030 auszulöschen, hatten die Vereinten Nationen schon 2014. Im Bericht des Aidsprogramms der Vereinten Nationen (UNAIDS) von Juli 2014 wird ein eher zuversichtliches Bild hinsichtlich der Entwicklung der Epidemie entworfen. Die UNO zeigte sich guter Dinge, aber nur weil sie die aktuelle Situation mit der Lage von vor 15 Jahren verglichen hatte.

 

Was ist HIV/Aids?
Das Humane Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für die Krankheit Aids. Es wird vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen. Das Virus ist sehr wandlungsfähig. Viele Tests für einen Impfstoff sind bisher gescheitert. Der Erreger legt unter anderem bestimmte Immunzellen lahm. Deshalb kann das Abwehrsystem des Körpers Krankheitserreger wie Bakterien und Viren nicht mehr wirkungsvoll bekämpfen. Selbst an sich harmlose Infektionen können so zur tödlichen Bedrohung werden. Nach einer erkannten HIV-Infektion lassen sich Ausbruch und Symptome von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom) mit verschiedenen Medikamenten bekämpfen. Die Kombination solcher Arzneien kann die Vermehrung des Erregers im Blut verhindern. Lebensqualität und -erwartung der Patienten sind durch diese Therapien deutlich gestiegen. Sie haben jedoch Nebenwirkungen und können Patienten noch nicht heilen.

 
Drei gute Neuigkeiten im Kampf gegen HIV/Aids

 

Mehr zum Thema:

In unserer Kindersendung ARTE Journal Junior haben wir die Krankheit HIV/Aids einfach erklärt - für Groß und Klein. Hier geht's lang.

Rückgang der Neuansteckungen bei Kindern

Zwischen 2000 und 2014 ist die Anzahl der schwangeren Frauen, die mit dem HIV-Virus leben und Zugang zu Medikamenten haben, um 73 Prozent gestiegen. Damit konnte die Mutter-Kind Übertragung um 58 Prozent gesenkt werden. Thailand, wo zehntausende HIV-Positive leben, löschte als erstes Land in Asien die Mutter-Kind-Übertragung des Aids-Erregers praktisch aus. Das erste Land der Welt, dem das gelungen ist, war Kuba im Jahr 2015.

 

Rückgang der Aids-Toten und höhere Lebenserwartung

Die Anzahl der Menschen die an Aids sterben, sinkt seit 2005 kontinuierlich. Außerdem haben Infizierte heute eine bessere Lebensqualität. Noch vor 20 Jahren kam die Ansteckung mit dem HIV-Virus einem Todesurteil gleich, heute ermöglichen Therapien ein relativ normales Leben. Die Lebenserwartung eines HIV-Positiven ist von 36 Jahren im Jahr 2001 auf heute 55 Jahre gestiegen.

 

Besserer Zugang zur antiretroviralen Behandlung dank sinkender Preise

Es ist eine der Schlüsselzahlen des Berichts und die Zahlen steigen weiter. 17 Millionen Menschen haben heutzutage Zugang zu antiretroviralen Medikamenten, die der Behandlung der HIV-Infektion dienen. Das entspricht 46 Prozent der Infizierten. In der weltweit am stärksten betroffenen Region in Süd- und Ostafrika konnten in den letzten fünf Jahren doppelt so viele Menschen behandelt werden wie zuvor. Die Behandlung ist günstiger geworden, weil die Pharmaindustrie eine wichtige Sensibilisierungsarbeit geleistet hat. Heute kostet eine Behandlung jährlich etwa 100 Dollar pro Person, das entspricht einer Preissenkung von 99 Prozent. Und auch die Ärmsten und Schwächsten haben endlich Zugang zu den lebenswichtigen Medikamenten.

 

Behandlungen gegen Aids
 
Drei Gründe, Vorsicht walten zu lassen

 

Die Früherkennung

Das Wichtigste bleibt nach wie vor die Früherkennung, denn wenn Infizierte heute gut und rechtzeitig behandelt werden, ist es essentiell, dass man auch von seiner Erkrankung weiß. Schätzungen zufolge leben heute 36,9 Millionen Menschen mit dem HIV-Virus. Darunter sind sich nur 54 Prozent über ihre Krankheit bewusst. Wir sind also noch weit von den 90 Prozent entfernt, die sich die UNO bis 2020 als Ziel gesetzt hat.

 

Infektionen steigen an

In Osteuropa und in Zentralasien gibt es immer mehr Infizierte: insgesamt haben sich die Neuansteckungen um 57 Prozent erhöht. Die Lage ist vor allem in Russland und in der Ukraine alarmierend, zweifelsohne auch in anderen Region wie Usbekistan oder Turkmenistan. Doch in diesen Ländern liegen zu dem Thema keine glaubwürdigen Zahlen vor. Aids ist dort immer noch ein Tabuthema, deshalb weigern viele Leute, sich testen zu lassen oder haben ganz nicht die Möglichkeit dazu.

 

In Deutschland leben rund 83.400 Menschen mit HIV oder Aids. 2014 starben etwa 480 HIV-Infizierte. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen im Jahr 2014 wird auf 3.200 geschätzt und bleibt damit zum Vorjahr unverändert. Geschätzte 13.200 Menschen der 83.400 wissen nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Deshalb ist das Thema Früherkennung so wichtig, damit sie das Virus nicht unwissentlich übertragen. Eine frühe Diagnose kann zu besseren Behandlungsmöglichkeiten und einer höheren Lebenserwartung führen.

 

Die Finanzierung

Auch wenn die UNO davon ausgeht, dass die Welt auf einem guten Weg ist, AIDS bis 2030 auszumerzen, werden dennoch sieben Milliarden Euro benötig um dieses Ziel zu erreichen. Für den UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon könnte sich die Epidemie ohne dieses Geld weiterverbreiten.

 

3 Ziele, die vor 2020 erreicht werden sollen
UNAIDS sieht vor, dass
 
90 Prozent der HIV-positiven Menschen ihren HIV-Status kennen,
90 Prozent davon Zugang zu einer effektiven medikamentösen Behandlung haben
90 Prozent davon unterhalb der Viruslastnachweisgrenze (und damit eine HIV- Übertragung ausgesprochen unwahrscheinlich ist und eine Resistenzbildung unwahrscheinlich wird) sind

 

Weltweite Zahlen 2015
17 Millionen Menschen haben Zugang zu einer antiretroviralen Therapie
36,9 Millionen Menschen leben mit HIV
2 Millionen Neuansteckungen
1,2 Millionen Menschen sterben infolge einer mit Aids in Verbindung stehenden Krankheit

Zuletzt geändert am 9. Juni 2016