|

"Afro-Amerikaner für andere menschlicher machen"

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: Ferguson, Literatur

Schreiben um Ungerechtigkeit aufzuzeigen, einen anderen Blickwinkel zu ermöglichen. Die Schriftstellerin Jesmyn Ward, die aus Mississippi stammt, schreibt um ihrem kleinen Bruder zu gedenken, der von einem Betrunkenen umgefahren wurde. Die Afro-Amerikanerin, die zwei Romane veröffentlicht hat, weist auf die noch vorherrschende Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß in den USA hin.

 Es gibt immer noch dieses Vorurteil, das nicht laut ausgesprochen wird, dass Schwarze weniger wert sind. Dass unser Leben nichts taugt.

Jesmyn Ward - 20/08/2014

ARTE Info: Wie haben Sie, als afro-amerikanische Schriftstellerin, auf die Ereignisse in Ferguson reagiert?

Jesmyn Ward: Jedes Mal, wenn so etwas passiert, bestärkt es mich in meinem Willen zu schreiben. Ich glaube daran, dass meine Arbeit Wahrnehmungen ändern kann, vielleicht Afro-Amerikaner für andere menschlicher macht, damit solche Dinge in der Zukunft vielleicht seltener passieren. Wenn ein Polizist eines meiner Bücher liest, dann sieht er vielleicht das nächste Mal in einem schwarzen Kind einen Menschen und kein Tier. Das ist optimistisch, ich weiß, aber ich muss daran glauben, um weiter zu schreiben. Ich muss weiter hoffen.

 

Geht es bei den Protesten, neben diesem einen Fall von Ungerechtigkeit, auch darum, dass nicht alle Menschen gleich behandelt werden?

Jesmyn Ward: Ungerechtigkeit ist in den USA immer noch präsent. Sie zieht sich durch alle Bereiche, von der Bildung, über die Wohnsituation bis hin zur Beschäftigung. Es gibt immer noch dieses Vorurteil, das nicht laut ausgesprochen wird, dass Schwarze weniger wert sind und unser Leben nichts taugt. Ich habe nie an den post-Rassismus-Diskurs von Obama geglaubt. An dem, was die Schwarzen heute in den Vereinigten Staaten erleben, ist nichts "post-rassistisch". Unser alltägliches Leben ist stark von Ungerechtigkeit geprägt.  

 

6 Jahre nachdem die USA ihren ersten schwarzen Präsidenten gewählt haben, bleibt die Kluft zwischen Schwarz und Weiß bestehen. Enttäuscht Sie das? Was erwarten Sie heute?

Es zeigt, dass wir bereit sind anzuerkennen, dass ein Schwarzer intelligent und produktiv sein, dass er Macht haben und an der Spitze eines Staates stehen kann. Diese Veränderung in unserer Wahrnehmung ist wichtig.

Jesmyn Ward - 20/08/2014

Jesmyn Ward: Veränderung braucht Zeit, Opfer und Schmerz. Ich habe nicht erwartet, dass sich die Lage in sechs Jahren ändern wird. Ich denke, dass die Tatsache, einen schwarzen Präsidenten zu haben, vor allem einen kulturellen Wandel bedeutet. Es zeigt, dass wir bereit sind anzuerkennen, dass ein Schwarzer intelligent und produktiv sein, dass er Macht haben und an der Spitze eines Staates stehen kann. Diese Veränderung in unserer Wahrnehmung ist wichtig, für unser Land, aber vor allem für die jungen Schwarzen, Frauen und Männer, für die sich ein neuer Horizont auftut. Es öffnet sich für sie eine neue Perspektive, was existenziell ist für jeden Menschen.   

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016