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Afrika und der CFA-Franc: Ein System "freiwilliger Knechtschaft"?

Länder: Frankreich

Tags: CFA-Franc, Afrika, Kolonialzeit

14 ehemalige französische Kolonien in der Subsahara benutzen seit 1945 eine Währung, die in der Kolonialzeit vom französischen Kolonialherren eingeführt wurde. Kritiker sprechen von einen System "freiwilliger Knechtschaft" und verurteilen den CFA-Franc als "imperiales Machtinstrument". Befürworter sehen in ihm einen Garant für Stabilität. Am 14. April findet in Abidjian (Elfenbeinküste) das Treffen der Minister der CFA-Franc-Zone statt. Dass politische Entscheidungsträger aus Frankreich oder Afrika den Status quo in Frage stellen, ist indes nicht zu erwarten.

Was ist der CFA-Franc?

Die gemeinsame Währung wurde 1945 vom Kolonialherren Frankreich eingeführt. Die Währungsunion beinhaltet zwei unterschiedliche Zonen: Die Westafrikanische (CEMAC) sowie die Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA). Hinzu kommt die Zone der Komoren (siehe Karte unten). Mehr als 155 Millionen Einwohner benutzen den CFA-Franc. Einige ehemalige Kolonien haben die Währungsunion verlassen, so zum Beispiel Guinea, Mauretanien oder Madagaskar.

Im Oktober 2016 ist in Frankreich ein 248-seitiges Buch erschienen. Der Titel der Publikation: "Sortir l’Afrique de la servitude monétaire" - Afrika aus der währungspolitischen Knechtschaft befreien. Anfang des Jahres 2017 haben in großen Städten Afrikas und Europas "noch nie dagewesene" Kundgebungen stattgefunden, wie die Organisatoren des "Front gegen den Franc der französischen Kolonien in Afrika" berichteten. Die Organisatoren prangerten "die perversen Auswirkungen des postkolonialen Geldes" an und forderten in Anlehnung an den Buchtitel das "Ende der währungspolitischen Knechtschaft."

Im Zentrum der Debatte steht die starre Anbindung des CFA-Franc an den Euro (vor 1999 an den Franc Français). Die Befürworter sehen darin einen Garant für Stabilität, da die 14 afrikanischen Länder zwei Drittel ihrer Geschäfte mit Europa abhandeln.

Doch es geht im Kern auch um wirtschaftliche Souveränität und die Möglichkeit der Selbstbestimmung. "Die Mitgliedsländer der Zone sind nicht Herr ihrer eigenen Bodenschätze," erklärt Martial Ze Belinge, Ko-Autor der eingangs erwähnten Publikation, in einem Gespräch mit Le Monde.

 

Karte CFA-Franc VA
© ARTE Journal
Wer legt den Wert der Währung fest?

In den beiden Hauptzonen agiert jeweils eine Zentralbank: Die BEAC (Banque des Etats de l’Afrique centrale) und die Zentralbank Westafrikas BCEAO (Banque centrale des Etats de l’Afrique de l’Ouest). Der CFA-Franc ist als Währung starr an den Euro geknüpft. 656 CFA-Francs haben den Wert von einem Euro. Die Mitgliedsländer verpflichten sich, 50 Prozent ihrer Geldreserven bei der französischen Nationalbank zu lagern und die Inflationsrate unter 2 Prozent zu halten. Im Jahr 2015 wurden die CFA-Franc-Reserven der französischen Nationalbank auf 10 Milliarden Euros geschätzt.

 

Ein Garant für Stabilität oder ein System "freiwilliger Knechtschaft"?

Die Befürworter der Franc-Zone führen die Stabilität als wesentlichen Vorzug der Gemeinschaftswährung auf. Tatsächlich schließen die 14 Länder der Subsahara rund zwei Drittel ihres Außenhandels mit Ländern der Euro-Zone ab. Daher erleichtere ein festes Austauschverhältnis die Geschäfte und halte die Transaktionskosten niedrig. Die 14 Länder der Subsahara exportieren hauptsächlich Rohstoffe. Die Abnehmer von Erdöl, Erdgas und Mineralien sind fast ausschließlich die europäischen Handelspartner.

Das feste Austauschverhältnis zwischen Euro und CFA-Franc komme in erster Linie Europa entgegen, sagt Kako Nubukpo, Mitautor der zitierten Publikation, Ökonom und ehemaliger Minister von Togo. Für die afrikanischen Exporteure hingegen wirke sich die starke Währung wie eine zusätzliche Steuer aus, weil sie der wirtschaftlichen Realität in den ehemaligen französischen Kolonien keine Rechnung trägt.

Die seit 1945 existierende Währung sei zu stark für die schwache Wirtschaft der 14 afrikanischen Länder. Kako Nubukpo ist überzeugt, dass die fixe Anknüpfung an den Euro die eigene wirtschaftliche Entwicklung stark einschränke und für eine mangelnde Wettbewerbsfähigkeit sorge. Er erinnert daran, dass die Grundidee einer Gemeinschaftswährung gemeinsamer Handel sei. Im Vergleich zum Handel mit den Ländern der Euro-Zone gäbe es innerhalb der Mitgliedsländer aber nur einen sehr bescheidenen Warentausch. Die Idee der stabilen Währung diene also hauptsächlich den Abnehmern von Rohstoffen.

 

Aus Angst vor Geldabwertung und Inflation

Soll die Wirtschaft eines CFA-Franc-Land wirklich eine Chance auf Entwicklung und Wachstum haben, sind Kredite unabdingbar. Doch eine weitere Regelung zwischen den beiden Zentralbanken und dem französischen Finanzministerium sieht vor, dass 50 Prozent der CFA-Franc-Geldreserven im französischen Staatstresor deponiert werden. Als Gegenleistung bietet Frankreich ein unbegrenzte Austauschbarkeit der Währungen an (Anm. d. Red.: Die unbegrenzte "Konvertibilität" beschreibt die legale Umtauschmöglichkeit von Zahlungsmitteln in andere Zahlungsmittel. Sie ist eine Grundvoraussetzung des freien Marktes).

Eine Öffnung der Kreditschleusen würde den afrikanischen Unternehmen helfen, wirtschaftliche Aktivitäten zu initiieren und Stellen zu schaffen, sagt Nubukpo. Stattdessen finde eine regelrechte "finanzielle Repression" statt, indem Frankreich die Devisen und Kreditschleusen reguliere. Grund für diese Regelung ist eine rigide Risikominimierung gegenüber einer möglichen Geldabwertung (Devaluation), die in den Worten Nubukpos in eine "anti-inflationäre Obsession" ausgeartet ist. In Wahrheit werde mit den rigiden Maßnahmen die reale Wirtschaft gelähmt. Das starre und rigide System bietet v.a. den wirtschaftlich schwächsten Mitglieder der CFA-Zone wenig Spielraum, den beträchtlichen Rückstand auf die stärkeren Mitglieder wett zu machen.

Tiémoko Koné Meyliet ist Gouverneur der Zentralbank Westafrikas (BCEAO) mit Sitz in Dakar, Senegal. Er versucht den Vorwurf der Dominanz und der Einseitigkeit zu entschärfen: "Wenn diese Vorwürfe stimmen würden, glauben Sie mir, wären wir die ersten, die angemessene Maßnahmen ergreifen würden." (Interview in "Jeune Afrique")

 

Wer profitiert vom CFA-Franc?

Mit offenen Karten - Wachstumsregionen in Afrika

Die wirtschaftliche Realität in den ehemaligen Ländern der Françafrique ist wenig hoffnungsvoll. Im Ranking des Human Development Index sind sieben der 14 schwächsten Länder Mitglieder der CFA-Franc-Zone. Mamadou Koulibaly, promovierter Wirtschaftswissenschafter und Mitglied der ivorischen Opposition, zieht den Vergleich mit den ehemaligen französischen Kolonien Algerien, Marokko und Tunesien. Diese Länder waren nie Mitglieder der CFA-Franc-Zone und verfügten heute über eine stärkere und lebendigere Wirtschaft und seien mit weniger Armut und Arbeitslosigkeit konfrontiert.

Die Befürworter des CFA-Franc sind Bankdirektoren, Geschäftsmänner und ranghohe Politiker. Es sind die Profiteure des Status quo. In Afrika gehören gemäß Kako Nubukpo die Eliten zu der Gruppe, die über einen Zugang zur globalisierten Welt verfügen. Sie sind es, die von der Unveränderbarkeit der Währung und von der freien Verschiebung von Kapital profitieren, etwa wenn sie ihr Geld bei europäischen Banken deponieren.

Viele Kritiker, so auch die Autoren von "Sortir l’Afrique de la servitude monétaire", sind sich darüber im Klaren, dass ein Wechsel des Status quo nur über politische Entscheidungsträger in den Regierungen führen kann. Doch abgesehen vom Präsidenten des Tschads, Idriss Déby Itno, hüten sich Präsidenten und Minister davor, Forderungen nach mehr Selbstbestimmung zu stellen.

"Keine Situation kann perfekt sein", sagte der gabunische Machthaber Ali-Ben Bongo Ondimba im November gegenüber Jeune Afrique, doch "im Moment macht es für uns mehr Sinn, wenn wir den CFA-Franc beibehalten, der uns Sicherheiten bietet."

 

Konferenz der CFA-Minister: Keine Änderung in Sicht

Am 14. April findet in Abidjian ein Treffen der Minister der CFA-Franc-Zone statt. Der scheidende französische Staatspräsident François Hollande sagte anlässlich eines Treffens mit seinem Amtskollegen der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, dass Frankreich offen sei, die verschiedenen Vorschläge zur Zukunft der Währung zu prüfen. Mit einer Änderung des Status quo ist dennoch nicht zu rechnen. Entscheidungsträger der Politik hätten keinen Grund, gegen das bestehende System zu opponieren, weil sie Teil der Elite sind, fügt Nubukpo in einem Interview mit Le Monde an. Sie hielten an diesem "System der freiwilligen Knechtschaft" fest. Zu den Verlierern gehören die Mittelschicht sowie die rund zwei Drittel der Bevölkerung, die von weniger als zwei US-Dollar pro Tag leben.

 

Der CFA-Franc im französischen Präsidentschaftswahlkampf

Die Themen "Françafrique" und "CFA-Franc" spielen im aktuellen französischen Präsidentschaftswahlkampf, wenn überhaupt, eine nebensächliche Rolle. ARTE Info blickt genauer hin und hat nach verbindlichen Aussagen der Kandidaten gesucht.

 

 

 

Zuletzt geändert am 13. April 2017