Äthiopien: Grüner Hunger

Länder: Äthiopien

Tags: Dürre, Hungersnot

Nach der Dürre überschwemmte eine Regenflut das Land – die Saat geht jetzt endlich auf, aber 10,2 Millionen Äthiopier hungern neben grünen Feldern…

 

Ethiopie, sécheresse l'appel à l'aide

Interview

Interview de Michael Unger

Alle Vorräte haben sie in dieser schlimmsten Dürre seit 50 Jahren aufgebraucht und die neue Saat ist noch lange nicht reif. Tausende Menschen flohen vor der neuen Regenflut aus ihren Dörfern, das von der Dürre ausgezehrte Vieh stirbt in der Nässe – und die Regierung Äthiopiens wirkt hilflos im Angesicht der Dauer-Krise, die auch hausgemacht ist: Im Land herrscht die autoritäre Koalition der Revolutionären Demokratischen Front der Äthiopischen Völker (EPRDF), von Demokratie ist keine Rede, dafür regieren Misswirtschaft, Korruption und Landraub: Menschen werden vertrieben, wer sich dagegen auflehnt, der riskiert den Tod. Die Opposition und die Presse werden von der Regierung unterdrückt. Der Staat Äthiopien mit seinen 90 Millionen Einwohnern ist noch eines der wenigen stabilen Regimes am Horn von Afrika, aber das Land steckt tief in einer humanitären und wirtschaftlichen Krise…

 

von Michael Unger, Eric Bergeron und Florence Touly - ARTE GEIE – Frankreich 2016

Äthiopien:  Ein Land in Not

Johan Heffinck, Leiter des ECHO-Büros der Europäischen Kommission in Addis Abeba

Johan Heffinck

Der extreme Klimawandel, eine explodierende Demographie und staatliche Misswirtschaft steigern die Leiden des Landes, das bereits unter einer extremen Hungerkrise leidet, in dramatischer Weise. Mehr als 200 000 Menschen in Äthiopien sind obdachlos, über 10 Millionen hängen ab von Nahrungsmittelhilfen der Internationalen Gebergemeinschaft. Umgerechnet 1,2 Milliarden Euro würden benötigt, um die Krise zu überwinden. Nur die Hälfte davon ist bisher zugesagt worden.

Die östlichen Tieflandregionen Somali, Oromo, Afar, Amhara und Harar sind die  Gegenden, die von der Klimakatastrophe besonders betroffen sind. Wenn Regenfälle aber völlig unberechenbar werden oder ganz ausfallen, hilft den Nomaden und Halbnomaden auch das althergebrachte Wissen nicht mehr, eine vernünftige Landwirtschaft ist schlicht nicht mehr möglich. Die Nahrungsmittelhilfe musste in den vergangenen neun Monaten verdreifacht werden. Genügend Nahrung bereitzustellen, ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Menschen in den Dörfern berichten, dass viele Alte und auch Kinder wegen der Dürrekrise gestorben seien. Die äthiopische Regierung streitet dies ab:

Ato Mitiku Kassa

Im fernen Addis Abeba bat Ministerpräsident Hailemariam Desalegn die Welt kürzlich öffentlich um Hilfe. Ein bemerkenswerter Schritt. Der autoritären Regierung scheint die Dürre dermaßen unangenehm zu sein, dass sie Journalisten an der Berichterstattung über die akute Krise möglichst hindert. Ein Visum zu bekommen, war auch für ARTE Reportage  schwierig. Die offensichtliche Angst des Regimes: Bilder aus den Dürregebieten könnten dem Image der aufstrebenden Wirtschaftsnation schaden. Schon gibt es Unruhen in der Region Oromia – die Zeit läuft…

Michael Unger 

 

 

Zuletzt geändert am 3. Oktober 2016