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Ärzte sagen Abtreibung den Kampf an

Länder: Italien

Tags: Droit à l', loi anti-, Abtreibung, Frau

In Italien sind immer weniger Ärzte bereit, Abtreibungen durchzuführen, obwohl diese seit fast 40 Jahren legal sind. 

Vox pop 63

 

In Italien wurden Abtreibungen im Jahr 1978 legalisiert. Zur damaligen Zeit feierten Feministen diesen gesellschaftlichen Durchbruch als Sieg. 37 Jahre später gibt es allerdings immer weniger Ärzte, die sich dazu bereit erklären, eine Schwangerschaft abzubrechen. Das Gesetz 194 zum Schwangerschaftsabbruch lässt den Medizinern nämlich ein Schlupfloch – diese können den Eingriff aus Gewissensgründen ablehnen. Und es werden immer mehr. So verweigerten in Italien bereits vor einem Jahrzehnt 58 % der Gynäkologen eine Abtreibung, heute sind es 68 % und sogar bis zu 90 % in den Ballungsräumen von Rom und Neapel.  

 

Lisa Canitano ist Leiterin des Vereins Vita di Donna, der für die Rechte und Gesundheit der Frauen speziell im Bereich Sexualität und Fortpflanzung einsteht, und liefert einige Erklärungen an Vox Pop: „In Italien bilden Universitäten unter religiöser Trägerschaft zukünftige katholische Gynäkologen aus und helfen ihnen, Arbeit zu finden und sogar in öffentlichen Krankenhäusern Karriere zu machen. Ein Gesetz des italienischen Staats zu missachten, wird nicht negativ bewertet. Ganz im Gegenteil.“ Und weiter: „In Italien wurde Frauen noch nie das Recht eingeräumt, eine Sexualität auszuleben, die nicht allein der Fortpflanzung dient.“

 

Tausende Irinnen lassen im Ausland abtreiben

 

In der Europäischen Union erlauben die meisten Mitgliedstaaten Abtreibung, abgesehen von Malta. In vielen Ländern gilt es jedoch, strenge Kriterien zu erfüllen. In Irland kann beispielsweise nur abgetrieben werden, sofern das Leben der werdenden Mutter in Gefahr ist. Eine Schwangerschaft infolge einer Vergewaltigung kann dort auf legalem Wege also nicht abgebrochen werden. 1993 stimmten 67 % der Iren in einem Referendum gegen die Legalisierung von Abtreibungen. Bei derselben Wahl billigte das Volk jedoch Schwangerschaftsabbrüche im Ausland ohne rechtliche Verfolgung. Jedes Jahr begeben sich daher Tausende von Irinnen ins benachbarte Ausland, um abzutreiben.

 

Im Jahr 2007 lockerte Portugal seine Gesetzgebung, weshalb nun Abtreibungen bis zur 10. Schwangerschaftswoche legal sind. Zuvor galt das Land als einer der schärfsten Abtreibungsgegner in der EU. Dieser Beschluss wurde in einem Volksreferendum am 11. Februar 2007 bestätigt:  59,3 % der Wähler stimmten damals „für“ und 40,8 % „gegen“ das Recht auf Abtreibung. Luxemburg, Finnland und das Vereinigte Königreich gestatten den Schwangerschaftsabbruch aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen. Alle anderen Länder erlauben (oder entkriminalisieren) Abtreibungen, und verlangen von den Frauen keine Rechtfertigung.  

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016