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Adam Smith – der Vater des Kapitalismus

Länder: Frankreich, Großbritannien

Tags: Wirtschaftstheorie, Marktwirtschaft, adam smith

Die ersten zwei Folgen unserer Kapitalismus-Serie drehen sich um den schottischen Philosoph und Ökonom Adam Smith, den Gründervater des Liberalismus. Während sein philosophisches Werk „Die Theorie der ethischen Gefühle“ weitgehend unbekannt blieb, veränderte seine Theorie zum "Wohlstand der Nationen" die Wirtschaft seiner Zeit und gilt auch heute, fast 250 Jahre nach seiner Veröffentlichung, als Pflichtlektüre unter Wirtschaftswissenschaftlern.

Die Waren enthalten den Wert einer bestimmten Menge Arbeit,  die gleiche Menge, wie das Gut, das wir (im Tausch) erwerben."

 

In seinem zweiten Werk "Wohlstand der Nationen" erklärt und rechtfertigt Smith den internationalen Handel. Mit der Theorie des absoluten Kostenvorteils beweist er, dass es sich für jedes Land lohnt, mit seinen Nachbarn Handel zu

treiben und wendet sich damit gegen die protektionistischen Wirtschaftsauffassungen seiner Zeit. Für Smith bestimmt sich der Wert einer Ware durch die Arbeitsstunden, die zu seiner Produktion nötig waren. "Sie enthalten den Wert einer bestimmten Menge Arbeit, von der wir zum Zeitpunkt des Erwerbs annehmen, dass sie die gleiche Menge Arbeit enthält, wie das Gut, das wir erwerben." Durch den Wettbewerb des freien Marktes stimmt der Preis am Ende mit dem Wert der Ware überein – niemand kann mehr verlangen, als die Produktion der Ware ihn wirklich an Arbeit gekostet hat. Unterschiede im Preis einer Ware hängen also mit einer unterschiedlichen Produktivität der Länder zusammen.

 

Gewinnbringender Tausch

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Stunden benötigt ein Bauer in Frankreich für die Produktion einer Einheit Wein, in Schottland benötigt er 12 Stunden für die gleiche Produktion.

 

In seinem Modell geht Smith von zwei Ländern aus, z.B. Schottland und Frankreich, die jeweils die selben zwei Produkte produzieren können: Wein und Kleidung. Allerdings herrschen andere Gegebenheiten und sie produzieren die Ware nicht in der gleichen Zeit: 5 Stunden benötigt ein Bauer in Frankreich für die Produktion einer Einheit Wein. In Schottland sind die Bedingungen schlechter. Hier braucht ein Bauer 12 Stunden Arbeit für die gleiche Menge Wein. Auf der anderen Seite haben die Schotten einen Vorteil bei der Produktion von Kleidung: Sie brauchen nur 6 Stunden für die Herstellung einer Einheit, während die Franzosen ganze 14 Stunden dafür benötigen.

 

Es lassen sich auch in Schottland sehr gute Weine keltern, nur würden sie etwa dreißigmal so viel kosten wie ein zumindest gleich guter aus dem Ausland."

 

"In Treibhäusern (…) lassen sich auch in Schottland recht gute Trauben ziehen und daraus auch sehr gute Weine keltern, nur würden sie etwa dreißigmal so viel kosten wie ein zumindest gleich guter aus dem Ausland. Wäre es also sinnvoll, jegliche Einfuhr von ausländischem Wein durch Gesetz zu verbieten, nur um den Anbau von Claret und Burgunder in Schottland anzuregen?"

 

Smith beantwortet seine rhetorische Frage selbst: Wenn jedes Land sich auf die Produktion des Gutes spezialisiert, wo es einen Vorteil hat, profitieren beide Ländern davon. In der Zeit, in der ein Schotte eine Einheit Wein produziert hat, kann er nun zwei Einheiten Kleidung herstellen und eintauschen, umgekehrt profitieren die Franzosen genauso durch ihre Spezialisierung auf den Wein.

 

Adam Smith, der Kritiker

Dieser Handel ist immer vorteilhaft  für beide."

 

Diese Rechnung ist eine direkte Kritik an der Wirtschaftspolitik der Zeit: Im Zuge des verbreiteten Merkantilismus galt es, möglichst wenige Waren zu importieren um die Produktion im eigenen Land nicht durch Konkurrenz aus dem Ausland zu gefährden. Smith widerspricht diesen Ökonomen: Ein Handel zwischen zwei Orten, sei immer vorteilhaft. Er löst sich von dem Konzept, dass der Handel immer ein Nullsummenspiel ist, in dem der eine Partner gewinnt und der andere verliert. Es entsteht immer für beide Beteiligten ein Vorteil. "Aber dieser Handel, der ohne Gewalt und Zwang, natürlich und regelmäßig zwischen zwei Orten ausgeführt wird, ist immer vorteilhaft (…) für beide."

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016