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Abgas-Skandal zieht weite Kreise

Länder: Frankreich

Tags: Volkswagen, Automobil

Der Abgas-Skandal reist den Volkswagen-Konzern in eine tiefe Krise. Während Hauptverantwortliche und Mitwisser ausgemacht werden, zieht der Skandal weite Kreise, auch in Frankreich.

 

VW und seine unzufriedenen Kunden

Auch in den USA wurden im Namen der Autobesitzer bereits hunderte von Sammelklagen gegen VW vorgelegt. Unsere Reportage

Weltweit sind elf Millionen Autos im Umlauf, die von den manipulierten Abgastests direkt betroffen sind. Davon fährt rund eine Million auf den Straßen Frankreichs. Am heutigen Mittwoch stellte der Konzern einen Plan zur Nachbesserung der betroffenen Fahrzeuge vor. Insgesamt fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW sollen in die Werkstätten zurückgeholt werden. Die betroffenen Kunden sollen per Post informiert werden. In Frankreich hat die Vereinigung Ecologie Sans Frontière am Mittwoch angekündigt, wegen Manipulation gegen Volkswagen rechtliche Schritte einzuleiten.

 

Versuchte Erpressung von französischen Redaktionen

Aus Frankreich droht dem Konzern weiteres Ungemach: Die Vermarktungsfirma von Volkswagen, MediaCom, soll versucht haben, diverse französische Medien zu erpressen. Dies berichtet die französische Zeitung La Canard enchainé in ihrer Ausgabe vom heutigen Mittwoch. Als Beweismittel druckt Le Canard enchaîné den Ausschnitt einer E-Mail von MediaCom ab, der belegt, wie die PR-Agentur französische Medien auffordert, in Verbindung mit einer anstehenden Audi-Kampagne auf eine Berichterstattung zur aktuellen Volkswagen-Krise zu verzichten. Das Druckmittel: Geplante Inserate bis zum Jahresende im Wert von 1.465.000 Euro. MediaCom ist eine international tätige, renommierte Vermarktungsagentur. Die Zusammenarbeit mit Volkswagen dauert seit 17 Jahren an und wurde kürzlich bis ins Jahr 2016 verlängert.

 

"Morgen in "Le Canard" - Die Erpressung von Volkswagen um die französische Presse zum Schweigen zu bringen."

 
Die VW-Krise, eine Ausgeburt von Machtgier und Größenwahn

Die Dieselgate-Affäre wird von manchen Kommentatoren als Folge des globalisierten Kapitalismus gedeutet, der bei den Konzernen Größenwahn und Hegemonialgelüste erzeugt. In diese Richtung äußerte sich auch der deutsche Finanzminister. Wie schon bei der Finanzmarktkrise stelle sich heraus, dass der globale Wettbewerb "unglaublich brutal" sei, sagte Schäuble dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Schäuble fordert Konsequenzen und erwartet massive Veränderungen in der Unternehmensstruktur von Volkswagen.

 

Konsequenzen: Einstellungsstopp und Imageschaden

Die Affäre bringt nicht nur die gesamte Industrie in Bedrängnis, sondern auch Deutschland als Standort, galt Volkswagen doch als Vorzeigekonzern der deutschen Industrie. Konkret betroffen sind aber auch die Mitarbeiter von VW. Laut der Nachrichtenagentur AFP wurde im Motorenwerk Salzgitter erstmals die Produktion zurückgefahren. In Braunschweig verhängte die VW-Finanztochter Volkswagen Financial Services bis zum Jahresende einen Einstellungsstopp.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016