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25 Jahre Deutsche Einheit: Annäherung von Ost und West

Länder: Deutschland

Tags: Deutsche Wende, Wiedervereinigung, Statistik

Am 3. Oktober feiert Deutschland "25 Jahre Einheit." Zu diesem Anlass beleuchtet ARTE Info mithilfe von Zahlen drei gesellschaftliche Phänomene, welche die Zeit seit 1991 mitgeprägt haben.

Die Bevölkerung in Ostdeutschland ist gegenüber 1991 um 2 Millionen Menschen geschrumpft. Nach der regen Binnenwanderung von Ost- nach Westdeutschland seit 1991 scheint das Wanderungsverhältnis heute jedoch ausgeglichen. 2013 sind erstmals seit der Wiedervereinigung mehr Menschen aus dem Westen in die ostdeutschen Flächenländer gezogen als umgekehrt. In Bezug auf die Arbeitslosenquote hat sich der Rückstand der neuen Bundesländer zumindest nicht vergrößert. Als Relikt der Binnenmigration bleibt hingegen eine schnell alternde Gesellschaft in den neuen Bundesländern.

 

1. Annäherung im Migrationsverhalten zwischen Ost und West

In den 25 Jahren seit der Wende hat sich ein Trend verfestigt: Während immer mehr Menschen im Westen und Süden des Landes leben, ist die Bevölkerung in den ostdeutschen Flächenländern (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) um 2 Millionen Menschen geschrumpft.

Vordergründig ist die Abwanderung nach Westdeutschland dafür verantwortlich. Tatsächlich war der Fall der Mauer die Initialzündung für eine große Völkerwanderung, was in erster Linie mit dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft zusammenhing.

Zwischen 1991 und 2013 zogen 3.3 Millionen Ostdeutsche nach Westdeutschland, den umgekehrten Weg gingen 2.1 Millionen Menschen. In den letzten zwei Jahren hat sich dieses Verhältnis stark angeglichen. 2013 sind erstmals seit der Wiedervereinigung mehr Menschen aus dem Westen in die ostdeutschen Flächenländer gezogen als umgekehrt. 

 

 

2. Schnell alternde Gesellschaft im Osten

In den ostdeutschen Bundesländern hat nach der Wende eine regelrechte Umbruchsituation stattgefunden. Das hat einerseits mit der Abwanderung in den Westen zu tun, andererseits mit einem drastischen Rückgang der Zahl der Geburten in den ostdeutschen Flächenländern. Von 1990 bis 1994 sank die Geburtenrate um mehr als die Hälfte. Das führte zu einem raschen Altern der Gesellschaft. 

Für die Umbruchsituation nicht unwesentlich ist ein gesellschaftlicher Wandel, der mit der Aufgabe der günstigen Rahmenbedingungen zu tun hat, die den Müttern in der DDR geboten wurden (sicherer Arbeitsplatz, großzügige Familienförderung und eine umfassende Kinderbetreuung). 

2013 ist es immer noch die junge und mittlere Generation, welche vom Osten in den Westen wandert. Die Verluste sind bei den 25 bis 30-Jährigen am höchsten: Der Grund dafür liegt in den besseren Erwerbsmöglichkeiten und Ausbildungschancen im Westen. Ein anderes Bild zeigt sich bei den älteren Jahrgängen. 2013 verzeichnete die östlichen Flächenländer bei den über 50-Jährigen leichte Wanderungsgewinne.

 

3. Annäherung bei der Arbeitslosenquote

Auf gesamtdeutscher Ebene lässt sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in drei Phasen aufteilen: eine hohe Arbeitslosigkeit nach der Einigung, tiefgreifende Arbeitsmarktreformen und eine hohe Beschäftigung im gegenwärtigen Zustand. Deutschland verzeichnet heute 8.1 Prozent mehr Beschäftigte als 1991. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote nach einem zwischenzeitlichen Hoch 1997 wieder gesunken.

In Ostdeutschland lag die Arbeitslosenquote traditionell höher als in Westdeutschland. Auch bedingt durch die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe ("Hartz-IV-Effekt") erreichte die Arbeitslosigkeit in Deutschland 2005 mit mehr als 4.8 Millionen Arbeitslosen ihren bisherigen Höchststand. 2014 fiel die Arbeitslosigkeit auf 6.7 Prozent, dem niedrigsten Niveau seit 1992. Sie verringerte sich relativ gleichförmig in Westdeutschland auf 5.9 Prozent und in Ostdeutschland auf 9.8 Prozent.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016