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2016 – Jahr der Korruption?

Länder: Monde

Tags: Korruption, Geldwäsche

Zwei Prozent des weltweiten Reichtums verschwinden jährlich aufgrund von Korruption vom steuerlichen Radar. Diese Schätzung veröffentlichte der Internationale Währungsfond (IWF) in seinem Bericht im Mai. Darin heißt es, dass die wirtschaftlichen und sozialen Kosten sogar „noch höher“ sein könnten. In diesem Jahr konnten durch die Justiz, internationale Journalistenverbände und Whistleblower zahlreiche Korruptionsskandale aufgedeckt werden. Diese Fälle von Steuerbetrug haben das Ansehen einflussreicher Persönlichkeiten aus Politik und Sport auf der ganzen Welt beschädigt. Hier eine – unvollständige – Liste der Personen, die sich im Jahr 2016 aufgrund ihrer Verstrickungen in Fälle von Korruption verantworten mussten.

Aus für Platini, Blatter und Valcke

 

Am 7. Januar 2016 zieht Michel Platini seine Kandidatur für das Präsidentenamt des Welt-Fußballverbands (FIFA) zurück. Es ist der letzte Akt einer Korruptionsaffäre, die im Mai 2015 beginnt, als sieben Vorstandsmitglieder des Verbandes in Zürich während eines Fifa-Kongresses verhaftet werden. Sie stehen im Verdacht, seit den 1990ern im Rahmen der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft Bestechungsgelder in Höhe von 150 Millionen Euro erhalten zu haben.

Im Dezember wird für Sepp Blatter und Michel Platini, der eine Präsident der FIFA, der andere der UEFA, eine Sperre von acht Jahren für sämtliche nationale und internationale Fußballtätigkeiten verhängt. Sie werden der „Veruntreuung“ und des „Amtsmissbrauchs“ schuldig gesprochen. Der ehemalige FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke erhält im Februar 2016 eine Sperre von zwölf Jahren.

 

Frisierte Haushaltszahlen und die Absetzung von Dilma Rousseff

 

Am Mittwoch, dem 31. August 2016 enthebt der brasilianische Senat Dilma Rousseff mit 61 zu 20 Stimmen ihres Amtes als Präsidentin der Republik. Im April hatten bereits 60% der brasilianischen Bevölkerung für ihre Absetzung votiert. Der Grund: Im Jahr ihrer Wiederwahl 2014 und auch im darauffolgenden Jahr hatte Dilma Rousseff Dekrete unterzeichnet, die das Haushaltsdefizit verschleiern sollten.

Zusätzlich zu den gegen sie vorgebrachten Vorwürfen der Manipulation der Haushaltszahlen ist die Präsidentin bereits aufgrund ihrer Verstrickung in den Skandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras heftig in die Kritik geraten. Ihr Name wurde nicht direkt genannt, allerdings war sie zum fraglichen Zeitpunkt Vorsitzende des Aufsichtsrats von Petrobras.

 

Die weltweiten Auswirkungen der „Panama Papers“

 

Nie zuvor haben die Medien einen Korruptionsskandal solchen Ausmaßes aufdecken können. Am 3. April 2016 legt das Internationale Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) die ersten Teile der „Panama Papers“ offen. Der Verband hatte der Süddeutschen Zeitung durch einen Whistleblower rund 11,5 Millionen Dokumente zuspielen lassen, die die Existenz hunderttausender Offshore-Firmen und die Namen daran beteiligter Personen  offenlegen.

Darunter sind mehrere Staatschefs und hochrangige Politiker wie der ukrainische Präsident Petro Porochenko, der argentinische Präsident Mauricio Macri, und der isländische Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson. Letzterer gibt am 5. April, zwei Tage nach den Enthüllungen, dem Druck der heftigen Proteste in der isländischen Bevölkerung nach und legte sein Amt nieder.

Hier finden Sie die Liste der Folgen der Enthüllungen (Rücktritte, neue Rechtsvorschriften in von dem Skandal betroffenen Ländern, usw.), die das ICIJ auf dem neuesten Stand hält (auf Französisch).

 

Freiheitsstrafe für Jérôme Cahuzac: Ein großer Durchbruch

 

 

Wir erinnern uns an die Selbstsicherheit, mit der der damalige französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac seine Unschuld beteuerte: „Ich habe, Herr Abgeordneter, kein Konto im Ausland und habe nie eines besessen. Nicht jetzt und auch nicht früher“. Angeklagt wegen Geldwäsche, Steuerbetrugs und Falschangaben bei der Vermögenserklärung in der Zeit, als er 2012 Regierungsmitglied war, hat Jérôme Cahuzac einen Aufsehen erregenden Skandal hervorgerufen, den größten in der Amtszeit von Frankreichs Präsident François Hollande.

Am 14. September 2016 verurteilt die Staatsanwaltschaft ihn zu drei Jahren Freiheitsentzug und fünf Jahren Nichtwählbarkeit. Die Härte dieses Strafmaß gegenüber einem ehemaligen Regierungsmitglied ist in Frankreich beispiellos.

 

„Football Leaks“, die versteckten Millionen der Sportwelt

 

„Geblendet vom Spektakel tolerieren (Fußball-)Fans unverhältnismäßig hohe Gehälter. Sie haben sich an rasant wachsende Transfersummen gewöhnt. Das Problem ist, dass sich dieses Geld verflüchtigt“, schreibt die französische Internet-Zeitung Mediapart Anfang Dezember. Die Enthüllungen des Netzwerks „European Investigative Collaborations“ (EIC) erschüttern die gesamte Fußballwelt. Einer der ersten Namen, die in diesem Zusammenhang auftauchten, ist der von Cristiano Ronaldo. Der international gefragte Portugiese soll allein 150 Millionen Euro in die Schweiz und auf die Britischen Jungferninseln geschleust haben. Im Zuge der Football Leaks hat die spanische Steuerverwaltung Ermittlungen gegen Ronaldo aufgenommen.

Unter den anderen in den Skandal verwickelten Spielern finden sich der Deutsche Mesut Özil, der Franzose Paul Pogba, der Argentinier Angel Di Maria und auch der Kolumbianer James Rodriguez. Neben den Fällen von Steuerhinterziehung nehmen die von der EIC ausgewerteten Dokumente auch Bezug auf unzulässige Klauseln in den Verträgen einiger Spieler und auf lukrative Kooperationen, die ihnen manchmal das Recht auf sehr hohe Prämien einräumen.

So erhielt der brasilianische Fußballstar Neymar im Jahr 2013 von Panini für das Unterschreiben von 600 Stickern beispielsweise 50.000 Euro.

Zuletzt geändert am 31. Dezember 2017