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2014: Zahl der Asylbewerber in Europa stark gestiegen

Länder: Europäische Union

Tags: Asyl, Asylbewerber, Flüchtlinge

Immer mehr Menschen suchen vor Gewalt, Terror und Vertreibung Zuflucht in Europa. Im Jahr 2014 stellten insgesamt 626 000 Personen einen Asylantrag in der EU. Fast jeder Dritte von ihnen wollte nach Deutschland. Die Bundesrepublik (202 815 Anträge), Schweden (81 325), Italien (64 625), Frankreich (64 310)  und Ungarn (42 775) stehen an der Spitze in Europa und der EU, wenn es darum geht, Asylbewerber aufzunehmen. Das geht aus einem Bericht der EU-Behörde Eurostat hervor.

Allerdings ist die Entwicklung im Jahresvergleich in den Ländern unterschiedlich verlaufen: während sich die Bewerberquote in Italien (+ 143 Prozent) und Ungarn (+126 Prozent) mehr als verdoppelt hat und in Deutschland (+60 Prozent) sowie Schweden (+50 Prozent) stark zunahm, wurden in Frankreich (-5 Prozent) weniger Anträge im Vergleich zu 2013 eingereicht.

Setzt man die absoluten Zahlen in Relation zur Bevölkerung, ergibt sich ein differenziertes Bild: demnach hat Schweden die höchste Asylbewerber-Quote. Dort kommen auf Tausend Einwohner 8,4 Asylbewerber. Damit liegt die Quote deutlich höher als in  Ungarn (4,3), Italien (1,1), Frankreich (1,0) und auch Deutschland (2,5). Zum Vergleich: im EU-Durchschnitt kamen 2014 1,2 Asylbewerber auf Tausend Einwohner. In der Schweiz stellten 23 555 Personen einen Asylantrag – das entspricht einer Quote von 2,9. Am niedrigsten waren die Quoten in Portugal, der Slowakei und Rumänien.

 

Die meisten Antragssteller waren weiterhin Menschen aus Syrien (122 800 bzw. 20 Prozent aller Antragssteller). Mehr als die Hälfte von ihnen stellte den Antrag in Deutschland und Schweden. Die zweitgrößte Personengruppe stammt aus Afghanistan (41 300 Asylbewerber). Auf Platz drei der Skala rangieren Staatsbürger aus dem Kosovo (37 900 Bewerber). Von ihnen stellte mehr als die Hälfte den Asylantrag in Ungarn (21 500).

Im Jahr 2014 wurden EU-weit 45 Prozent der Asyl-Anträge in erster Instanz positiv entschieden. 360 000 Entscheidungen wurden getroffen. In 163 000 Fällen gewährten die Behörden einen Flüchtlingsstatus, einen subsidiären Schutzstatus oder eine Aufenthaltsgenehmigung aus humanitären Gründen.

 

Verschiedene Formen des Asyls

Flüchtling: Der Begriff bezeichnet einen Drittstaatsangehörigen, der aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will. Dieser Begriff kann auch einen Staatenlosen bezeichnen, der sich aus denselben vorgenannten Gründen außerhalb des Landes seines vorherigen gewöhnlichen Aufenthalts befindet und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen dieser Furcht nicht dorthin zurückkehren will.

Subsidiärer Schutzstatus: Eine Person, der in erster Instanz subsidiärer Schutzstatus zuerkannt wurde, ist eine Person, der mit einer während des Bezugszeitraums ergangenen Entscheidung aus erster Instanz einer Verwaltungseinrichtung oder eines Gerichts der subsidiäre Schutzstatus zuerkannt wurde. Laut EU-Richtlinie ist eine Person mit Anspruch auf subsidiären Schutz ein Drittstaatsangehöriger oder Staatenloser, der die Voraussetzungen für die Anerkennung als Flüchtling nicht erfüllt, der aber stichhaltige Gründe für die Annahme vorgebracht hat, dass er bei einer Rückkehr in sein Herkunftsland oder, bei einem Staatenlosen, in das Land seines vorherigen gewöhnlichen Aufenthalts tatsächlich Gefahr liefe, einen ernsthaften Schaden zu erleiden.

Aufenthaltsgenehmigung: Dies schließt Personen ein, die nach der Definition in den Rechtsinstrumenten der ersten Phase nicht für internationalen Schutz in Betracht kommen, aber dennoch aufgrund von Verpflichtungen, die allen Mitgliedstaaten nach Maßgabe internationaler Flüchtlings- oder Menschenrechtsinstrumentarien bzw. der sich aus diesen Instrumentarien ergebenden Grundsätze obliegen, vor Abschiebung geschützt sind. Als Beispiel seien Personen genannt, die aus gesundheitlichen Gründen nicht abgeschoben werden können und unbegleitete Minderjährige. (Gilt nicht in Belgien, Bulgarien, Irland, Frankreich, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Portugal und Slowenien.)

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016