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12 Bürger-Initiativen für Flüchtlinge

Länder: Europäische Union

Tags: Flüchtlinge, EU, Krieg, Aufnahme

Sie helfen ehrenamtlich oder engagieren sich in Vereinen - Bürger in aller Welt haben sich 2017 für Flüchtlinge eingesetzt, ihnen geholfen und mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die Flüchtlinge kommen aus Kriegs- und Krisengebieten, haben eine anstrengende, zermürbende Reise hinter sich und werden dann oftmals in vielen Ländern unangemessen behandelt oder zurückgeschickt. Um gegen die Missstände zu kämpfen, gibt es mittlerweile unzählige internationale Initiativen, um den Flüchtlingen unter die Arme zu greifen, aber auch, um ihre Heimat wieder aufzubauen. Wir blicken auf 12 Projekte zurück, die uns 2017 besonders beeindruckt haben.

 

Niederlande: Stadtrundfahrt im Flüchtlingsboot

Amsterdam ist eine Stadt, die seit Jahrhunderten von Migration geprägt ist. Auch in den letzten Jahren sind viele Flüchtlinge aus arabischen und afrikanischen Ländern dort angekommen. Um Vorurteile gegen die Immigranten abzubauen, bieten ehemalige Flüchtlinge eine alternative Stadtbesichtigung an. Die Idee stammt von Teun Castelein, der die Kompagnie Lampedusa ins Leben gerufen hat. Auf Fischerbooten aus Lampedusa erklären sie Touristen und Einheimischen die Stadtgeschichte Amsterdams.

 
 
Griechenland: Psychologen kämpfen gegen Kriegstrauma

Das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei ist schon seit weit über einem Jahr in Kraft. Kernpunkt ist, dass die Türkei illegale Flüchtlinge aus Griechenland zurücknimmt und die gleiche Zahl Flüchtlinge legal nach Europa schickt. Aufgrund dieser Übereinkunft sitzen über 10.000 Flüchtlinge auf den griechischen Inseln fest und warten darauf, ob sie zurückgeschickt werden oder nicht. Die Flüchtlinge müssen nicht nur ihr schweres Kriegstrauma überwinden, sondern leiden häufig auch unter Depressionen. Und die Unsicherheit über ihre Zukunft macht die Lage noch schlimmer. Die Ärzte und Psychologen vor Ort sind völlig überlastet. Auf der Insel Chios engagieren deshalb sich eine syrische Neuropsychiaterin und ein palästinensischer Psychologe vor Ort und helfen, wo Not am Mann ist.

 

Frankreich: Eine Enzyklopädie der Migration

Abseits politischer Polemik hat eine Initiative in Rennes die Frage der Migration akademisch aufgearbeitet. Der Verein "Das Alter der Schildkröte" hat eine Enzyklopädie der Migration veröffentlicht. 400 Migranten berichten in Briefe, was Exil bedeutet. Die Texte schildern das Schicksal von Menschen, die einst als Flüchtlinge nach Frankreich kamen.

 

 
 
Libyen: Neues Leben mit TV und Make-up

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Jahrelang tobte der Bürgerkrieg in Bengasi, aber vor über einem Jahr wurde eine Regierung der nationalen Einheit gebildet. Seitdem ist es in der Stadt im Norden Libyens deutlich ruhiger. Nach und nach kehren Menschen zurück, die ihr Land nun wieder aufbauen wollen - wie die beiden Schwestern, die ARTE Journal in Bengasi getroffen hat. Mit einer Make-up-Schule und TV-Nachrichten hauchen sie der Stadt wieder ein wenig Leben ein.

 

 
 
Deutschland: Berufliche Selbstständigkeit für Flüchtlinge

Viele Flüchtlinge wollen lieber ein eigenes Unternehmen aufbauen, anstatt auf eine Stelle zu hoffen. Dabei ist der Weg für besonders steinig. Bürokratie, rechtliche Hürden und vor allem Finanzierungsprobleme machen ihnen häufig einen Strich durch die Rechnung. Die Organisation Singa kommt aus Frankreich und hilft den motivierten Gründern jetzt auch in Berlin. Jeder Flüchtling bekommt einen einheimischen Unternehmer als Mentor an die Seite gestellt und das Projekt findet großen Anklang.

 

 

 

Jordanien: Eine WG mit Flüchtlingen

Mehr als eine Million Syrer sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor sechs Jahren in das Nachbarland Jordanien geflüchtet. Jahrelang lebten viele von ihnen ohne feste Bleibe. Um die Lebensbedingungen der Flüchtlinge zu verbessern, hat eine Hilfsorganisation folgenden Plan entwickelt: Einheimische, die Flüchtlinge aufnehmen, sollen finanzielle Hilfen erhalten, die dem Ausbau oder der Renovierung von Wohnraum dienen. Ein Projekt, das bereits erste Früchte trägt.

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Deutsche Studenten planen Wiederaufbau für Aleppo

Der Krieg in Syrien dauert seit sechs Jahren an, doch so manche denken trotzdem schon an ein "danach": Hussein Almohamad, ein geflüchteter Professor in Deutschland, arbeitet gemeinsam mit deutschen Studenten und Experten an einem Projekt zum Wiederaufbau seiner Heimatstadt Aleppo.

 

 

 
 
Fotografie: Dorfbewohner treffen auf Migranten

Dem 1.000-Seelen-Örtchen Saint-Martory im Hinterland von Toulouse erging es 2015 wie so vielen anderen französischen Dörfern. Hier, so entschied Paris, sollte ein Aufnahmelager für Flüchtlinge entstehen. Auf Seiten der Dorfbewohner und der Flüchtlinge herrschten Misstrauen und Vorurteile. Einige Monate später leben alle harmonisch zusammen. Dieser Erfolgsgeschichte hat der französische Fotograf Patrick Willocq Ausdruck verliehen und eine Bilderserie angefertigt.

 

 
Iran: ​Ein Karikaturist im Widerstand

Vor acht Jahren ist der iranische Karikaturist Kianoush Ramezani aus seiner Heimat geflohen, Er wollte den radikalen Islamisten entkommen und heute lebt er im Exil in Frankreich. Mit seinen Mitteln setzt er den Kampf für die Meinungsfreiheit fort.

Jetzt wurde ihm die Ehre zuteil, seine Karikaturen zum Thema Widerstand im "Mémorial de Caen" zu zeigen. Das Museum in der Normandie befasst sich mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts vom Ersten Weltkrieg bis zum Fall der Berliner Mauer. 

 

 

 

Jordanien: Frauen lernen das Klempnern

Jordanien zählt ohne Zweifel zu jenen Ländern, in denen die Erwerbstätigkeit von Frauen aus vielen Gründen verpönt ist. Andererseits leben in dem Land mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien. Viele von ihnen müssen arbeiten, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Auch die Frauen, obwohl sie in den häufig konservativ-muslimischen Familien oft nicht arbeiten dürfen. Jetzt bildet die deutsche Hilfsorganisation GIZ Frauen in einem typischen Männerberuf aus, nämlich zur Klempnerin. Ein äußerst erfolgreiches Projekt.

 

 
Tunesien: Ein Friedhof für Migranten

Unzählige Menschen haben beim Versuch, von Nordafrika aus das Mittelmeer zu überqueren, ihr Leben verloren. Ein Tunesier hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Verstorbenen würdevoll zu bestatten. Entstanden ist der "Friedhof der Migranten", der das Schicksal jener Menschen deutlich macht, die den Versuch, von Nordafrika aus über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen, mit dem Leben bezahlt haben.

 
 
Finnland: Engagement für die syrische Diaspora

Nach Amsterdam und Berlin haben sich Vertreter der syrischen Diaspora in Europa dieses Jahr in Helsinki versammelt. 30 syrische Aktivisten aus ganz Europa debattierten und tauschten sich über Integrationsprojekte für syrische Migranten in ihren Aufnahmeländern aus. Sie wollen, dass die syrische Diaspora ein vollständiger Teil unserer Gesellschaften wird.

Zuletzt geändert am 19. Dezember 2017