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Yourope: Jüdisches Leben in Europa: Ist es in Gefahr?

Länder: Frankreich, Deutschland, Polen, Schweden

Tags: Antisemitismus

Die schlimmsten Zeiten des Antisemitismus sind längst vorüber - wir im aufgeklärten Europa haben dieses dunkle Kapitel schon lange hinter uns. Stimmt das wirklich?
Der Krieg Israels und der Hamas und die Bombardierung des Gazastreifens haben diesen Sommer auch in Europa hohe Wellen geschlagen. Von London über Paris bis nach Stockholm gab es Demonstrationen gegen Israel - oft mit antisemitischen Parolen. Inzwischen fühlen sich viele Juden in Europa nicht mehr sicher. Die wachsende Bedrohung führt sogar dazu, dass ein Drittel jetzt auswandern will - ausgerechnet nach Israel. Wiederholt sich da schon wieder Geschichte? Und was tun junge Juden dagegen?

Samstag, 04. Oktober

14:00

Yourope

Antisemitismus in Europa

Antisemitismus in Europa

 

Yourope trifft junge Juden in Schweden, die Morddrohungen über Facebook erhalten haben, und trotzdem stolz beim sogennanten „Kippa-Marsch“ auf ihre Religion aufmerksam machen.

 

Und auch in anderen Ländern gibt es jüdische Familien, die sich dem Hass nicht aussetzen wollen. Deren Flucht-Instinkt inzwischen so stark geworden ist, dass sie lieber dahin ziehen, wo es objektiv am gefährlichsten ist: nach Israel. Yourope hat in Frankreich auswanderungswillige Juden besucht.

 

Ist Europa für junge Juden bald nicht mehr lebenswert?

 

Oder gibt es noch Hoffnung - wie zum Beispiel in der blühenden jüdischen Gemeinde in Berlin? Anstatt in die Vergangenheit zu blicken, tanzen hier Juden und Nichtjuden gemeinsam wild auf den legendären Meschugge-Parties.

Auch in Polen versuchen Juden das Problem beim Schopf zu packen: Anstatt zu fliehen, geben sie in Kursen ihr Wissen über das Judentum weiter. Wie von allein wird so das alte jüdische Viertel Kazimierz neu belebt.

 

 

Yourope Trailer ZDF 17

 

 

Wachsender Antisemitismus – Jüdische Auswanderungswelle in Frankreich

 

Jüdischer Lebensmittelladen in Brand gesteckt, Synagoge beschädigt, Juden verfolgt – die Schlagzeilen der letzten Monate aus Frankreich sind erschreckend. Im Zuge von pro-palästinensischen Demonstrationen kam es immer wieder zu antisemitischen Anfeindungen und sogar Übergriffen.

2013 ist die Zahl der Auswanderer um 70 Prozent gestiegen. Über 3000 französische Juden sollen die Aliyah, die Einwanderung nach Israel, bereits vollzogen haben - trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Dieses Jahr sollen es noch mehr werden.

 

 

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Foto : Caroline findet Paris zu unsicher – sie will bald nach Tel Aviv ziehen

 

Auch die 23-jährige Caroline plant die Reise ins gelobte Land – ohne Rückflugticket. Sie fühlt sich als Jüdin auf französischem Boden nicht mehr sicher. Jetzt lernt sie fleißig Hebräisch. Dass es aber kein leichter Schritt ist, sein Geburtsland zu verlassen, weiß Roni, Carolines Sprachlehrerin. Sie wagte den umgekehrten Weg und verließ Israel für Paris.

 

Krakau: junge polnische Juden lassen das jüdische Leben wieder aufblühen

 

 

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Foto : Die jüdische Prägung machte Kazimierz schon immer zu einem interessanten Stadtteil.

 

Krakau war einmal voller jüdischer Kultur. Im jüdischen Viertel Kazimierz haben vor dem Krieg 70.000 Juden gelebt. Heute sind es gerade einmal 120. Jetzt wollen junge polnische Juden ihre Kultur zurückbringen. In Kursen versuchen sie ihr Wissen über das Judentum weiterzugeben. Zum Beispiel in Marias Kochkurs, in dem sie das koshere Kochen lehrt.

 

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Foto: In diesem Kochkurs lernen die Teilnehmer kosher zu kochen.

 

Bei den Polen sind diese Kurse schwer beliebt – fast immer sind sie ausgebucht. Und ganz nebenbei wird so das alte jüdische Viertel Kazimierz in Krakau wieder neu belebt. Es gilt bereits seit längerem als Hotspot für junge Polen.

 
Der Faktencheck in Europa

 

 

Yourope Faktencheck ZDF 17
Schweden : „Kippavandring“ - das Schweigen brechen

 

Auch in Schweden hat der Antisemitismus einen neuen Höhepunkt erreicht. Besonders die Hafenstadt Malmö ist in den letzten Jahren immer wieder durch negative Schlagzeilen aufgefallen – mehrmals wurden hier Juden auf offener Straße angegriffen. Und was sagt die Politik? Die hüllt sich in Schweigen. Die Täter waren meistens Muslime, und keiner in den oberen Reihen will sich bei einem so heiklen Thema um Minderheiten den Mund verbrennen.

Dieses Schweigen will die Jüdische Jugend Schweden, kurz JUS, jetzt endlich brechen: Mit einem Kippamarsch durch die Innenstadt von Stockholm.

 

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Foto: Hier gehen Juden und nicht-Juden durch die Stadt, und jeder ist eingeladen, dabei eine Kippa zu tragen. Damit wollen sie ein öffentliches Zeichen gegen den neu aufgeflammten Antisemitismus setzen. Aber ist das denn heutzutage wirklich wieder nötig? Offensichtlich!

 

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Foto: „Hitler hat einen Fehler gemacht. Er hat euch nicht alle getötet. Jetzt kümmern wir uns drum.“ Solche Nachrichten haben Viktor und seine jüdischen Freunde in letzter Zeit zuhauf bekommen.

 

Viktor ist der Organisator des Marsches und trägt in der Öffentlichkeit nie seine Kippa - aus Angst vor Übergriffen. Wegen der Flut antisemitischer Nachrichten hat er sogar schon überlegt, wie viele schwedische Juden, das Land zu verlassen. Aber so leicht will er nicht aufgeben. Mit dem Kippamarsch will er Juden Mut machen, sich öffentlich zu zeigen, und ein Zeichen setzen – für Solidarität und gegen Antisemitismus.

 

Be Berlin – and jewish : Jüdisches Leben in der Hauptstadt

 

Dem „Exodus“ aus Frankreich steht das neue jüdische Leben in Berlin gegenüber.

 

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Foto: Die Stadt, in der einst der Holocaust geplant wurde, feiert sich heute als Zentrum einer jüdischen Renaissance.

 

Neben zahlreichen osteuropäischen Juden zieht es immer mehr junge Israelis in die deutsche Hauptstadt. Bis zu 20.000 sollen bereits in Berlin leben. Einer von ihnen ist der 30-jährige Aviv Netter.

 

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Foto : DJ Aviv Netter liebt seine Wahlheimat so sehr, dass er ihr sogar ein Tattoo widmet.

 

Seit sieben Jahren gilt er als der Vertreter jüdischer Partykultur in Berlin. Mit seinen Meschugge-Parties feiert der DJ das Judentum auf seine Art:  bunt, wild, provokant. Aber nicht nur bei seinen Landsleuten ist die Partyreihe legendär. Das Berliner Publikum - ob jüdisch oder nicht – liebt den jüdischen Sound von Aviv. Von einem schwierigen deutsch-jüdischen Verhältnis ist auf der Tanzfläche nichts mehr zu spüren. Aviv ist überzeugt: Berlin hat so eine Party gebraucht.

Auch der Ungar Armin Langer ist in Berlin gestrandet. Der 24jährige ist Jude, schwul und lebt in Neukölln. Klingt nach einer brenzligen Kombination, hat doch im letzten Jahr ein Berliner Rabbi den Bezirk aufgrund seines hohen muslimischen Anteils als Gefahrenzone für gläubige Juden erklärt.

Aber Rabbinerstudent Armin will mit der von ihm gegründeten Initiative Salaam- Schalom beweisen, dass das Zusammenleben zwischen Juden und Moslems in Berlin vollkommen friedlich funktionieren kann.

 

Unsere Reportage aus Berlin:

 

 

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Und zur nächsten Meschugge-Party geht es hier lang !

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016