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"Yes Men" - Die Kommunikationsguerilleros

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: The Yes Men, Dokumentarfilm, Berlinale

Das Spaß-Duo "The Yes Men" sind zwei inzwischen berühmt-berüchtige Aktivisten der Protestbewegung in den USA. Auf der Berlinale 2015 war nun der dritte Dokumentarfilm über sie zu sehen. "The Yes Men are Revolting." Im wahren Leben sind Andy Bichlbaum Mike Bonnano Hochschulprofessoren in den USA, die mit satirischen Aktionen Politiker und Konzerne bloßstellen und auf globale Missstände wie den Klimawandel aufmerksam machen. Jetzt zeigt THEMA den Dokumentarfilm "Die Yes Men - nun wird's persönlich" und ab Mittwoch können Sie ihn auch für sieben Tage im Replay sehen

 

Berlinale 2015 : le retour des "Yes Men"

 

Die Yes Men sind unvergleichlich, oder?

 

Ach, was muss man oft von bösen

Kindern hören oder lesen!

Wie zum Beispiel hier von diesen,

welche Max und Moritz hießen;

 

Die, anstatt durch weise Lehren

sich zum Guten zu bekehren,

oftmals noch darüber lachen

und sich heimlich lustig machen.

 

            (Max und Moritz, Wilhelm Busch)

 

Auf den ersten Blick erinnert das Duo "The Yes Men", das unter den Pseudonymen „Andy Bichlbaum“ und „Mike Bonnano“ jetzt auf der Berlinale auftrat, an die beiden Spitzbuben, die Wilhelm Busch Mitte des 19. Jahrhunderts mit bösen, teils grausamen Streichen das Leben einer ganzen Dorfgemeinschaft auf den Kopf stellen lässt. Wo aber bei Max und Moritz pure Boshaftigkeit der Antriebsmotor war, zeigt sich bei „The Yes Men“ im Kern eine ethisch-moralische Frage als zentrales Motiv ihres Handelns – wobei sich die Mittel zum Teil ähneln: Jede Menge Schabernack und Narretei.

 

Jaques Servin und Igor Vamos – so die bürgerlichen Namen der beiden Spaßvögel – geht es in erster Linie um öffentlichkeitswirksame Entlarvung von korrupten Politikern, mafiaähnlichen Geschäftsmodellen amerikanischer Großkonzerne, um die Entblößung von Lug und Trug. Ihre intellektuell hoch anspruchsvolle Methode wird heute als Kommunikationsguerilla bezeichnet. Eine künstlerische Strategie zur Subversion von Kommunikationsstrukturen oder auch zur kulturellen Instandbesetzung. Verwandte Begriffe aus dem Englischen sind Adbusting oder Culture Jamming.

 

Fassaden einreißen

 

"Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen, statt sie zu zerstören?" Die Frage hatte sich der französische Philosoph Roland Barthes gestellt – und die „The Yes Men“ bejahen das, und zwar auf eindrucksvolle Weise. Mit den Mitteln der Dekonstruktion, der Identitätsverschleierung, der Entwendung und Umdeutung von Inhalten oder mit der Erfindung falscher Tatsachen zur Schaffung wahrer Ereignisse, brechen sie Fassaden der scheinbaren Realität auf und legen mit chirurgischer Präzision die darunter verborgene, manchmal traurige, manchmal erschütternde und mitunter auch banale Wirklichkeit frei. Beispiele: Anfang der neunziger Jahre – solange ist das Duo schon aktiv – entwendeten sie sprechende Barbie-Puppen und tauschen die Elektronik mit der ebenfalls sprechenden Soldatenpuppe GI-Joe aus und stellten sie wieder zurück ins Geschäft. Fortan bellte die schöne Blonde im Kasernenhof-Ton eines Feldwebels.

 

Es geht allerdings auch drastischer – und das mit konkreten Resultaten. Zum 20. Jahrestag der Chemie-Katastrophe im indischen Bhopal mit über 3.000 Toten trat der "Yes Men" Andy Bichlbaum im Fernsehsender BBC World als Vertreter des amerikanischen Konzens Dow Chemical auf, also jenes Unternehmens, das für den Unfall verantwortlich war. In dieser Tarnung kündigte er an, dass Dow Chemical Schadensersatz in Höhe von zwölf Milliarden Dollar an die Familien der damaligen Opfer zahlen und das Fabrikgelände sanieren werde. Noch bevor BBC diese Meldung dementieren konnte, war der Wert von Dow Chemical an der Wall Street um zwei Milliarden Dollar gefallen. Bislang das Masterpiece des Duos. 

 

"Gerichtsklagen erfreuen uns"

 

In letzter Zeit war die drohende Klimakatastrophe ein Schwerpunkthema der beiden – und konsequenterweise die zynische Politik der Mineralölindustrie und ihrer Lobbygruppen. Im Sommer 2007 traten "The Yes Men" als Vertreter des amerikanischen Konzerns Exxon Mobile auf einer Messe auf, wo sie ein neues Produkt namens Vivoleum präsentierten. Zu dessen Herstellung könnten die für viele Menschen tödlichen Nebenwirkungen der Klimakatastrophe genutzt werden, denn Vivoleum ließe sich aus dem Öl menschlicher Leichen fertigen. Zum Beweis verteilten sie mit Menschenhaar präparierte Kerzen, angeblich aus Vivoleum gedreht, die entsprechend stanken. Kurz nach dem Auftritt wurde das Duo enttarnt und abgeführt – aber der Skandal war da schon perfekt. Dass sich Großkonzerne wie Dow Chemical, der ebenfalls hereingelegte Monsanto und Exxon Mobile sowas nicht gefallen lassen, versteht sich von selbst.

 

Aber die Komiker, beide sind im Hauptberuf Universitätsprofessoren, sehen das gelassen. "Wir freuen uns, wenn die Unternehmen oder Einzelpersonen uns verklagen, denn das macht uns nur noch bekannter." Über viele der spektakulären Aktionen des Duos wird international berichtet, werden Dokumentarfilme gedreht. Das Internet ist voll von Informationen und Videos über die beiden. Und so haben "The Yes Men" tatsächlich wenig mit den Spitzbuben von Wilhelm Busch gemeinsam. Eher schon mit einer anderen literarischen Gestalt, die unter dem Namen Till Eulenspiegel im 14. Jahrhundert durch den deutschen Norden zog, seinen Zeitgenossen den Spiegel vor die Nase hielt und die Mißstände seiner Zeit anprangerte.        

 

 

Ein paar Kostproben und eine Auswahl an Filmen der "Yes Men" haben wir hier für Sie zusammengestellt:

 

Die Spaßvögel „The Yes Men“ knöpfen sich den US-Chemieriesen Dow Chemical vor und verursachen damit einen Milliardenschaden für den Konzern. Die Lobby-Gruppen der US-Mineralölindustrie kommen auch nicht besser weg.

 

 

„The Yes Men“ legen sich mit der einflussreichen US-Handelskammer an und sorgen damit für helle Aufregung im Studio des Fernsehsenders Fox News. Auch als Vertreter des Mineralöl-Konzerns Exxon Mobile stiften sie öffentlichkeitswirksam Verwirrung.

 

 

 

1999 lieferten “The Yes Men” einen neuen Geniestreich. Sie sicherten sich die Internet Domain GATT.org und stellten eine originalgetreue, aber gefälschte Website des damaligen US-Präsidenten George W. Bush ins Internet. Wer genau hinschaut, stellt Merkwürdiges fest. Bush was not amused.  Außerdem veröffentlichten sie auch eine gefälschte Interseite der Welthandelsorganisation (WTO) und erhielten daraufhin Einladungen von Organisation, die sie als Pressesprecher der WTO wahrnahmen. Sie kritisierten satirisch die Politik der Welthandelsorganisation, indem sie beispielsweise in der Universität von Plattsburgh in New York vorschlugen, die weltweite Hungersnot zu retten, indem Arme Hamburger essen und sie anschließend bis zu zehn Mal recyceln sollen. Auf einer Textilkonferenz im finnischen Tampere enthüllten sie einen knapp einen Meter hohen Phallus, der Angestellten in Ausbeuterbetrieben Stromschläge verpassen soll.

 

 

 

 In diesem Video tritt "Yes Men" Andy Bichlbaum im Fernsehsender BBC World als Vertreter des amerikanischen Konzens Dow Chemical auf und kündigte an, dass Dow Chemical Schadensersatz in Höhe von zwölf Milliarden Dollar an die Familien der damaligen Opfer zahlen und das Fabrikgelände sanieren werde. Noch bevor BBC diese Meldung dementieren konnte, war der Wert von Dow Chemical an der Wall Street um zwei Milliarden Dollar gefallen.

 

 

 

Zuletzt geändert am 12. Oktober 2016