Donald Trumps asiatische Klone

Länder: Indien, Malaysia, Philippinen, Thailand

Tags: Donald Trump, Diktatur, Populismus

Mit der Wahl von Donald Trump haben die USA ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufgeschlagen. Dabei sind die ersten Anzeichen für den Aufstieg einer neuen Generation autoritärer Politiker schon seit mehreren Jahren deutlich sichtbar. Zwischen 2013 und 2016 gelangten Populisten in Ländern an die Macht, in denen eigentlich demokratische Spielregeln herrschten: Najib Razak in Malaysia, Prayuth Chan-o-cha in Thailand, Narendra Modi in Indien und Rodrigo Duterte auf den Philippinen. Ein Überblick.

 

Sie sind Populisten mit Vorliebe für brutale Äußerungen und rücksichtsloses Durchgreifen. Ihr Verhältnis zur Wahrheit und zur Realität ist sehr "persönlich" gefärbt. Tatsachen spielen für sie keine Rolle, allein das Auftreten zählt. Sie schlagen Kapital aus Identitätskrisen, wirtschaftlichen Ängsten und Unsicherheitsgefühlen, die ihre Vorgänger nicht ernst nahmen. Sie wissen, dass die Menschen in Krisenzeiten "Härte" als Allheilmittel betrachten. 

 

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Prayuth Chan-o-cha weiß ganz genau, wie er seine Bevölkerung in Schach hält. © NICOLAS ASFOURI / AFP

 

Gegen den bösen Westen…

Sie ziehen mit Vergnügen über die "westlichen Werte" her, die in ihren Augen mehr Übel bereitet als Gutes bewirkt haben. Menschenrechte und Meinungsfreiheit? Die seien weniger wichtig als der "totale" Krieg gegen den islamistischen oder kommunistischen Terrorismus oder der Kampf gegen Laster, Drogen und Korruption. Sie lehnen die westliche, vor allem amerikanische "Arroganz" ab und nähern sich dem "verständnisvolleren" China an. 

 

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Rodrigo Duterte führt einen skrupellosen Kampf gegen die Drogen. Über 4.000 Menschen wurden seit seinem Amtsantritt ermordet. © TED ALJIBE / AFP

 

…für Ordnung und Moral

Sie vertreten einen asiatisch geprägten Kapitalismus, soll heißen: eine staatlich gelenkte Wirtschaftsentwicklung auf ideologischem Hintergrund. Sie behaupten, ihr Land wirtschaftlich vorantreiben zu wollen, verschrecken aber Märkte und Investoren; sie behaupten, Ordnung und Moral wiederherstellen zu wollen, überschreiten aber ohne mit der Wimper zu zucken alle Grenzen des Anstands.

 

Auf Kosten der Sündenböcke…

Ihre Ideologie ist aggressiv nationalistisch und revisionistisch – sie interpretieren die Vergangenheit in ihrem Sinne um und gaukeln der Bevölkerung eine rosige Zukunft vor. Sie geben vor, sich für die Einheit der Nation einzusetzen, gehen aber mit schlechtem Beispiel voran, indem sie Frauen, sexuelle und ethnische Minderheiten, aber auch Fremde beschimpfen, die als Sündenböcke für ihre Misserfolge herhalten müssen. Ihr Hass gilt nicht zuletzt der Presse, die ihre Entgleisungen und Widersprüche enthüllt, und sobald sie sich angegriffen fühlen, drohen sie mit Zensur und Repression. Sie sperren ihre politischen Gegner ein und unterdrücken Demonstrationen, falls sie sie nicht bereits im Vorfeld verboten haben.    

 

…gegen das System

Sie verketzern das "elitäre Denken" ihrer Vorgänger, obwohl die meisten von ihnen der gesellschaftlichen Oberschicht entstammen. Wie Trump, der die Clinton-Dynastie zu Fall brachte, profilieren sich Modi, Duterte und Prayuth als Initiatoren des politischen Wandels, als Alternative zur angeblichen "pseudo-Demokratie" der Familien-Clans: Nehru-Gandhi in Indien, Marcos-Aquino auf den Philippinen oder die Geschwister Shinawatra in Thailand. Die einzige Ausnahme ist der malaysische Premierminister Najib Razak, Nachkomme einer führenden Politiker-Familie, der einen noch härteren Kurs verfolgen will als seine Vorgänger.

 

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Narendra Modi gibt sich bewusst bescheiden und volksnah. © PRAKASH SINGH / AFP

 

Sie lehnen das bestehende  System ab und schwächen die demokratischen Institutionen. Sie fordern die internationalen Organisationen heraus und treten diplomatische Protokolle mit Füßen. Wie Trump droht Duterte mit dem Austritt aus der UNO, während Prayuth und Najib Razak den "Weißen" zu verstehen geben, dass sie sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern sollten. 

 

Nach amerikanischem Vorbild

Donald Trump gibt ihnen Rückenwind: Najib Razak hieß ihn im immer größeren Kreis der autoritären Führer herzlich willkommen und begrüßte seinen "außerordentlichen Sieg" (und Thailand will jetzt übrigens eine Mauer an der Grenze zu Malaysia errichten).
 

 

 

Modi kann mit der Unterstützung Trumps rechnen - ein großer Fan der Hindus", der mit Indien lukrative Geschäfte treiben will. Auch Duterte, dem Barack Obama vorwarf, tausende Auftragsmorde veranlasst zu haben, braucht sich angesichts von Trumps Wahlprogramm wegen amerikanischer Kritik an seinen Menschenrechtsverletzungen keine Sorgen mehr zu machen.

Oft machen sich die Folgen ihres ungehemmt autoritären Regierungsstils zuerst im Wirtschaftsbereich bemerkbar. Aber wenn den Bürgern bewusst wird, dass sich ein Land nicht mit kriegerischen Reden und sozialer Unterdrückung regieren lässt, ist es schon zu spät – und die geknebelte Zivilgesellschaft muss hilflos mit ansehen, wie ihre Chefs im Fernsehen über ihr Schicksal entscheiden.  

Zuletzt geändert am 23. Dezember 2016