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Polen – Gesünderes Essen in Schulkantinen

Länder: Polen

Tags: junk food, fettleibigkeit

In Polen wächst die Zahl übergewichtiger Jugendlicher schneller als in den USA. Ein Gesetz verbietet nun bestimmte Nahrungsmittel in den Schulkantinen.

Seit dem 1. September ist ungesundes Essen an polnischen Schulen gesetzlich verboten. Für die Schüler bedeutet das: Diät. Keine fettigen Hamburger oder Schinken-Mayo-Sandwichs mehr zum Mittagessen. Ganz zu schweigen von Chips, Keksen oder Softdrinks, die an zwei Dritteln aller Schulen an hauseigenen Kiosken erhältlich sind. Beobachtern wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge werden polnische Jugendliche im Schnitt schneller fettleibig als amerikanische Jugendliche, die doch eigentlich als „Champions“ in diesem Bereich gelten. Von den 11- bis 15-Jährigen leidet jedes dritte Kind unter Adipositas. Das sind zehnmal mehr als vor dreißig Jahren, wie Radio France Internationale (RFI) bemerkt.

 

Das zunehmende Übergewicht der jungen Polen hänge, so der Sender, mit dem wirtschaftlichen Wachstum des Landes seit dem Fall des Kommunismus 1989 zusammen. Nicht nur fett- und zuckerhaltige Nahrungsmittel lassen die Jungen und Mädchen dicker werden, sondern auch der Mangel an sportlicher Betätigung. Eine besorgniserregende Entwicklung, vor allem, weil Adipositas langfristig gesundheitliche Probleme zur Folge haben kann: Diabetes, Bluthochdruck und sogar Krebs.

 

59 % der europäischen Bevölkerung leiden unter Adipositas oder Übergewicht." 

OMS

59 % aller Europäer sind übergewichtig

 

Händler, die das neue Gesetz nicht befolgen, haben eine Strafe von bis zu 5 000 Zloty zu erwarten, das sind umgerechnet 1 200 Euro. Außerdem will der polnische Bildungsminister die Jugend zu mehr Sport animieren. RFI zufolge sollen die Sportnoten daher ab sofort nicht mehr vom Ergebnis, sondern vom Einsatz des Schülers abhängen.

 

Die Schulen sind von den Lebensmittelvorschriften nicht sehr begeistert. Denn für die Kantinen bedeutet ausgewogenes Essen auch höhere Preise. Und die müssen am Ende die Familien zahlen. Was die schulinternen Kioske anbelangt, so wird auf die Scheinheiligkeit des Gesetzes hingewiesen: Wenn sich die Schüler Chips, Bonbons oder Brausen kaufen möchten, dann müssen sie nur in den nächsten Supermarkt gehen. Der Artikel von RFI schließt mit den zweifelnden Worten einer Ernährungswissenschaftlerin: „Man kann viele Gesetze verabschieden, die den Kindern ihre Ernährung vorgeben. Doch der Erfolg hängt noch viel mehr von der Erziehung durch die Eltern ab.“

 

Der europäische Gesundheitsreport 2015, der am 23. September von der WHO veröffentlicht wurde, knüpft an das Übergewicht der jungen Polen an. „Die Region Europa weist weltweit den höchsten Alkohol- und Tabakkonsum auf und liegt, was Übergewicht und Adipositas betrifft, nur geringfügig hinter der Region Gesamtamerika“, zitiert die französische Nachrichtenseite Les Echos den Bericht. 59 % der europäischen Bevölkerung leiden unter Adipositas oder Übergewicht. Von den über 18-Jährigen sind am häufigsten betroffen: Andorraner, gefolgt von Maltesern, Tschechen, Briten … und Polen.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016