Libyen, sechs Jahre nach der Revolution

9. September 2016

Sechs Jahre nach dem Ausbruch des arabischen Frühlings und drei Jahre nach Kriegsbeginn 2014 ist Libyen zerstückelter denn je. Zwei unterschiedliche Regierungen reklamieren die Macht für sich. Die Regierung mit Sitz in Tripolis, die zusammen mit seinen Milizen den Westen des Landes kontrolliert, und die Gegenregierung im Osten des Landes, die durch die Kämpfer von General Khalifa Haftar unterstützt wird. Am 14. März 2014 lancierte  Haftar eine Offensive, um die Kontrolle über die beiden erdölreichen Felder des Landes zu übernehmen. Zurzeit werden die Erdölfelder von der Verteidigungsbrigade Bengasis (BGB) besetzt. Für die Brigade kämpfen auch Islamisten, die im Verdacht stehen, von der Regierung in Tripolis unterstützt zu werden.

Die Kämpfe in Libyen haben seit 2014 nie aufgehört, auch wenn in Städten wie Sirte oder Bengasi langsam das Alltagsleben zurückkehrt. Sirte wurde im Dezember 2016 nach einer von der US-Luftwaffe untersützten Offensive aus den Händen des "Islamischen Staates" befreit. In der Hauptstadt Tripolis finden regelmäßig Gefechte zwischen bewaffneten Milizen statt. Die humanitäre Situation im Land ist desaströs.

Eine stabile Situation in Libyen müsste auch im Interesse Europas sein. Inmitten der "Flüchtlingskrise" würden sie damit einen verlässlicheren Ansprechpartner gewinnen. Libyen ist einerseits Nadelöhr für Migranten und gleichzeitig ein gefundenes Nest für Menschenhändler und Schlepperbanden.

In unserem Dossier finden Sie Reportagen, eine Chronologie der Ereignisse sowie Interviews und Hintergrundberichte.

Libye

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