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Künstler gegen massenhaftes Datensammeln

Länder: Schweiz

Tags: Überwachung, Internet

Wir sind immer mehr im Internet präsent und hinterlassen dabei immer mehr Daten - und Netzgiganten wie Google oder Facebook, aber auch Geheimdienste interessieren sich sehr für diese Daten. Mit sozialen Netzwerken, Big Data, Kühlschränken oder Waschmaschinen, die bald mit dem Internet verbunden sein werden, versprechen uns Konzerne und Forscher eine Welt, in der sie unsere Wünsche und Aktivitäten voraussagen können. Dabei geht es aber auch um Privatsphäre und Überwachung. Die Ausstellung in Haus der elektronischen Künste in Basel zeigt, wie Künstler gegen Data Mining und die globalisierte Beobachtung mobil machen.

 

Ces artistes engagés contre la collecte de données

 

Paolo Cirio: Steuerschlupflöcher für alle

 

Der in New York lebende italienische Künstler Paolo Cirio zeigt in seinem Projekt „loophole4all", wie jeder einzelne den globalen Datenstrom und Offshore-Finanzplätze zur Steuerflucht nutzen kann - so wie das viele multinationale Unternehmen tun. Er hackte einen Server im Steuerparadies Cayman-Inseln und stahl die Daten von 200.000 Briefkastenfirmen. Diese stellte er auf seine Webseite, auf einem Server in den USA, verkaufte die Firmendaten dann über sein eigenes Unternehmen, das in London ansässig ist, via dem Online-Bezahldienst Paypal, der in Luxemburg sitzt. Und durch seine italienische Staatsbürgerschaft konnte er sich vor Strafverfolgung schützen. Er erklärt die aufwendige Vorbereitung, die für dieses Projekt notwendig war.

 

 

Paolo Cirio: Steuerschlupflöcher für alle
Jennifer Lyn Morone: "Beute dich lieber selbst aus"


Die großen Internetkonzerne sammeln riesige Datenmengen über uns, analysieren und und vermarkten sie. Die amerikanische Künstlerin Jennifer Lyn Morone wehrt sich dagegen, als Marketingobjekt benutzt zu werden. Sie sammelt selbst die Daten über sich und vermarktet sie. Dazu hat sie ihre eigene Firma gegründet: die "Jennifer Lyn Morone, Inc." Sie erklärt uns ihren Ansatz:

 

Jennifer Lyn Morone: "Beute dich lieber selbst aus"
RYBN: Roboter übernehmen die Finanzwelt


Die Gefahr einer automatisierten Wirtschaft zeigt das französische Künstlerkollektiv RYBN in "ADM VIII", einem von ihr programmierten Hochgeschwindigkeits-Finanz-"Roboter", wie er an den internationalen Börsen existiert: Ein Programm, das die Lage am Finanzmarkt analysiert und in Sekundenbruchteilen mit anderen Bots handelt - für den Menschen nicht mehr nachvollziehbar. Sabine Himmelsbach, die Kuratorin der Ausstellung im H3K, erklärt das Projekt.

 

Sabine Himmelsbach: "Roboter übernehmen die Finanzwelt"


 

Opendata.ch: Freie Daten für alle

 

Der schweizer Verein opendata.ch hat die Vorbereitung der Ausstellung begleitet. Er ist die schweizer Abordnung der Open Knowledge Foundation. Sie setzen sich dafür ein, Daten für die Öffentlichkeit oder die Wissenschaft zugänglich zu machen. Oleg Lavrovsky von opendata.ch erklärt, um welche Daten es geht, wozu sie genutzt werden - und ob sie sich als eine Art Gegenbewegung zu Google sehen.

 

Opendata: Freie Daten für alle

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016