|

Juba: Schwere Gefechte statt Jubiläum

Länder: Südsudan

Tags: Südsudan, Konflikt, United Nations

Bei heftigen Kämpfen zwischen Armeesoldaten und einer Rebellengruppe sind am Wochenende nach Angaben der Regierung mindestens 270 Menschen getötet worden. Eigentlich sollte in der Hauptstadt Juba am Wochenende das fünfjährige Jubiläum des jungen Staates gefeiert werden. Die Pressekonferenz, in der die Regierungsoberhäupter zu Frieden aufrufen, wird durch Schüsse unterbrochen (Bild).  

Neu entfachter Konflikt

Wie die UN bestätigte, kam es am Donnerstag zu einer Schießerei, nachdem Soldaten von Präsident Kiir an einer Straßensperre bewaffnete Anhänger von Vizepräsident Machar festnehmen wollten. Danach eskalierte die Gewalt. Offenbar wird in Juba an mehreren Orten mit Artillerie und Handfeuerwaffen gekämpft, Bewohner berichten von Explosionen. Während die Kämpfe immer heftiger wurden, rief Präsident Kiir am Montag zur Waffenrufe auf.

 

Südsudan.jpg

 

Kiir und sein Vize Machar gehören unterschiedlichen Volksgruppen an, die miteinander in Konflikt stehen. Ende 2013 kam es bereits zum Bürgerkrieg, nachdem Kiir Machar aus der Regierung entlassen hatte. Machar kämpfte in der Folge mit Rebellen gegen die Soldaten von Kiir. Millionen Menschen wurden durch die Konflikte vertrieben. Im April 2015 einigten sich die Rivalen auf ein Friedensabkommen und regieren seit April 2016 gemeinsam.

Nach jahrzehntelangen Konflikten hatte der Südsudan 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan erreicht.

 

UN fordert sofortiges Ende der Kämpfe

Der UN-Sicherheitsrat hat sich für ein sofortiges Ende der Gewalt im Südsudan ausgesprochen. Das Gremium zeigte sich nach Sondersitzung am Sonntag empört darüber, dass auch UN-Soldaten und zivile Einrichtungen angegriffen wurden. Bei der Sitzung wurde zudem eine Ausweitung der UN-Friedensmission für den jüngsten afrikanischen Staat diskutiert. In der Erklärung hieß es weiter, die Nachbarstaaten des Südsudans sollten sich mit eigenen Truppen an der Befriedung beteiligen.

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einer Stellungnahme am Freitag Präsident Salva Kiir und dessen Stellvertreter Riek Machar für die neuerliche Gewalt verantwortlich gemacht. Unklar bleibt, ob ihr Machtkampf weiterhin besteht oder ob ihre jeweiligen Truppen ihnen nicht mehr gehorsam sind.

 

Düstere Aussichten

Trotz großer Ölvorkommen und riesiger Flächen für Ackerland kommt im Südsudan die Wirtschaft nicht in die Gänge. Zu heftig sind die immer wieder aufkommenden Konflikte. Das Land ist nahezu vollständig auf Auslandsimporte angewiesen. Zuletzt verschärften Preisanstiege für Nahrungsmittel die ohnehin schon dramatische Hungerkrise. Inzwischen ist nach UN-Angaben jeder zweite Südsudanese vom Hunger bedroht, die Zahl sei von kürzlich 4,3 auf inzwischen 4,8 Millionen gestiegen. Über 2,3 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, gut ein Drittel von ihnen hat das Land verlassen.

 

Nach den aktuellen Gewaltausbrüche in Juba ist zu befürchten, dass der Südsudan nur fünf Jahre nach der Unabhängigkeit in den erneuten Bürgerkrieg schlittert. "Es hätte Südsudans fünfter Geburtstag sein sollen", sagte der Direktor der Hilfsorganisation Oxfam im Südsudan, Zlatko Gegic. "Ich könnte mir kein schrecklicheres Geschenk vorstellen: mehr Kämpfe, Verlust von Leben, mehr Vertreibung und weniger Hoffnung."

Die Feierlichkeiten zum fünfjährigen Jubiläum des Staates wurden abgesagt.

Zuletzt geändert am 12. Juli 2016