Italien: Chinese oder Italiener?

ARTE Reportage - Samstag, 6. Mai 2017 - 16:40

Länder: Italien

Tags: chinesische Gemeinschaft, Textilsektor

In der Toskana nahe Florenz ist die Textilindustrie „Made in Italy“ inzwischen fest in chinesischer Hand.

Chinois ou Italien?
Italien: Chinese oder Italiener? In der Toskana nahe Florenz ist die Textilindustrie „Made in Italy“ inzwischen fest in chinesischer Hand. Italien: Chinese oder Italiener?

In den 90er Jahren kamen die ersten Chinesen aus der Provinz Wenzhou nach Prato, einer kleinen Stadt 15 Kilometer nordwestlich von Florenz. Dort fanden sie Arbeit in der damals noch florierenden Textilindustrie Italiens. Viele Chinesen begannen zunächst als Arbeiter und machten sich später selbstständig – mit dem Niedergang der Textilindustrie Italiens verlegten sich die Einwanderer dann sehr erfolgreich auf die preiswerte Konfektionsware. Die chinesisch-stämmigen Unternehmer spielen inzwischen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft in Prato.

Heute zählt die chinesische Gemeinde in Prato 50 000 Menschen, damit liegt sie an dritter Stelle nach London und Paris, sie stellen inzwischen auch 40 Prozent der Neugeborenen im städtischen Krankenhaus. Diese Kinder stehen zwischen der Kultur ihrer Eltern, die noch immer von der alten Heimat träumen, und der Kultur Italiens. In einem alten Industriegebäude Pratos haben die Chinesen eine Art Sonntags-Schule für ihre Kinder eingerichtet. Dort lernen sie am Wochenende Chinesisch, traditionelle chinesische Tänze und Kampfsport. Die Jungen zwischen 16 und 18 sollen sich ja entscheiden können, was und wer sie sind, Italiener, Chinese oder sogar beides…

 

Von Teresa Paoli, David Becheri und Pamela Maddaleno – ARTE GEIE / Upian Productions – Frankreich 2017

 

Comic-Reportage

Die größte chinesische Gemeinde der EU lebt in London, die zweitgrößte in Paris. Wenig bekannt und mit Vorurteilen behaftet, kämpfen diese Chinesen noch immer um ihre Integration im Frankreich von heute - vor allem auch die Kinder der dritten Generation. Für sie interessierte sich der Zeichner Gregory Mardon besonders in seiner Comic-Reportage für ARTE. Es ist eine sehr persönliche Geschichte des Autors über die Begegnung mit Menschen, von denen er bis dahin kaum gehört hatte.