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Wer sind die Peschmerga?

Länder: Irak

Tags: Kurden, Irak, Peschmerga

"Die dem Tod ins Auge Sehenden" - die Peschmerga. Sie sind die Armee des kurdischen Autonomiegebiets im Norden des Irak. Seit dem Beginn des Vormarsches der Dschihadisten des Islamischen Staates (IS) kämpfen die Peschmerga, um ihr Gebiet zu verteidigen. Im Gegensatz zu Bagdads Regierungstruppen sind sie bereit, die Waffen zu ergreifen. Aber wohl kaum, um im Notfall die Hauptstadt Bagdad zu retten, sondern um einen eigenen unabhängigen Staat zu bekommen - Kurdistan. Wer sind diese irakisch-kurdischen Freiheitskämpfer? Wie hat sich die Armee entwickelt? Was wollen sie?

Ausgebildet von US-Soldaten

Rund 200 000 Kämpfer sollen der kurdischen Armee angehören. Sie unterstehen dem Peschmerga-Ministerium in Arbil im Norden des Landes, von hier bekommen sie Befehle. Die Armee setzt sich zusammen aus bewaffneten Einheiten der kurdischen Parteien Demokratische Partei Kurdistans (KDP) und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). Viele der Kämpfer haben ab 2003 ihre Ausbildung von der US-Armee bekommen. Einige Elitetruppen der Peschmerga gelten als die besten Soldaten des Irak. Sie haben Kriegserfahrung, denn unter der Diktatur von Saddam Hussein haben die kurdischen Kämpfer mehrere Jahre lang die Regierung von den Bergen aus bekämpft.

 

Es fehlt an Waffen

Die Peschmerga besitzen vor allem einfaches Kriegsgerät. Ihre Waffen sind veraltet, ebenso Panzer und Transportfahrzeuge, viele stammen noch aus Saddam Husseins Zeiten. Es fehlt an modernem Kampfgerät. Die Peschmerga-Truppen kennen sich vor allem im Kampf in den Bergen gut aus. Aber da die kurdische Autonomieregion nicht vollständig aus Bergen besteht, sondern auch aus flachem Land mit ausgebauten Straßen, können IS-Kämpfer mit ihren Konvois verhältnismäßig leicht in das Gebiet vorstoßen. Immer wieder überrollen die radikalislamischen Militanten des IS Dörfer und Städte. Es bräuchte Flugzeuge und Angriffe aus der Luft, um gegen sie vorzugehen. Die Peschmerga besitzen jedoch keine Luftwaffe. Und die Piloten der Armee in Bagdad haben weder viel Erfahrung, noch ausreichend Flugzeuge. 

 

Raus aus dem Untergrund 

Die Peschmerga haben von Anfang an für die kurdische Unabhängigkeit gekämpft. Bis in die 1920er Jahre wurde das Kurdengebiet vom Osmanischen Reich beherrscht - damals schon formierten sich die Freiheitskämpfer im Untergrund. Auch unter Saddam Hussein ging der Kampf für mehr Autonomie weiter. Die Diktatur in Bagdad setzte Giftgas gegen die Kurden ein, es kam zu Massenhinrichtungen und Deportationen. 
Nach dem Krieg um Kuwait, 1991, bekamen die Kurden eine autonome Region, geschützt von den USA durch eine Flugverbotszone. Einige Gebiete blieben dennoch unter Saddam Husseins Kontrolle. 
2003 marschierten dann die USA und Großbritannien in den Irak ein. Peschmerga-Kämpfer unterstützten die Amerikaner und beanspruchten nach dem Sturz Saddam Husseins die Verwaltungshoheit über die Region im Norden des Landes. Aber die Amerikaner schoben sie zurück in ihr Autonomiegebiet. 
Seit dem Ende der Saddam-Diktatur hat die schiitische Regierung unter Nuri al Maliki die Kurden im Nordirak nicht in die Politk integriert. Ein Verhalten, das die Kurden weiter von Bagdad abkapselt. 

 

Verteidigung der Autonomieregion

Mitte Juni marschierten dann IS-Dschihadisten in den Irak ein und rückten immer weiter vor. Die Soldaten der Zentralregierung in Bagdad hatten nicht viel entgegen zu setzen - anstatt zu kämpfen, flüchteten sie. Ihre Geräte ließen sie zurück: Waffen, Panzer, Fahrzeuge. Peschmerga-Truppen übernahmen alles und kämpften auf eigene Faust, um ihr Autonomiegebiet zu verteidigen. Aber IS hat Kämpfer und Waffen - und nimmt immer weitere Teile vor allem des Nordiraks ein. Inzwischen werden die kurdischen Truppen durch die USA unterstützt. Die amerikanische Luftwaffe fliegt Angriffe auf Stellungen der Islamisten und liefert Waffen, ebenso wie der Iran.

 
Durch Islamisten zum eigenen Staat? 

Eine schwache Zentralregierung und eine schwache Armee in Bagdad - aber Hilfe von den Amerikanern im Kampf gegen die Islamisten: den Kurden könnte der Kampf gegen IS am Ende sogar in die Hände spielen. Seitdem Peschmerga die Islamisten bekämpfen, haben sie Gebiete zurückerobert und sichern inzwischen auch angrenzende Regionen. So haben sie das ursprüngliche Gebiet ihrer kurdischen Autonomieregion deutlich vergrößert. Sollte es ihnen gelingen, die Dschihadisten zu vertreiben, könnten sie mit einem Gebietsgewinn aus dem Konflikt gehen. Die Hoffnung der Kurden: endlich ein eigener Staat. Aber die irakische Regierung wird die Region wohl nicht kampflos aufgeben, denn im Norden des Landes lagert viel Öl - und damit viel Geld. 

 


 

 

Zuletzt geändert am 13. August 2014