Giftgas: der unsichtbare Feind

1. September 2016

In mindestens drei Fällen soll das syrische Regime in den vergangenen zwei Jahren chemische Waffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt haben. Zu diesem Ergebnis kam eine UN-Untersuchungskommission im August 2016. Zu einem "Existenzkampf" gegen Massenvernichtungswaffen müsse sich der UN-Sicherheitsrat nun vereinen, sagte der französische UN-Botschafter - doch eine Sanktionierung der "Kriegsverbrechen" könnte erneut am Veto des Assad-Verbündeten Russland scheitern.

Dabei hatte sich Assad erst vor drei Jahren verpflichtet, sämtliche Chemiewaffen zu zerstören: 2013 trat Syrien der 1997 in Kraft getretenen Chemiewaffenkonvention bei. Mit dieser sollte das Töten mit dem Massenvernichtungsmittel schließlich ein Ende finden. Nahezu alle Länder der Erde unterschreiben diesen einzigartigen multilateralen Vertrag. Bis heute sind bereits über 80 Prozent der deklarierten Chemiewaffenbestände zerstört worden, aber nicht immer werden dabei die Fristen eingehalten.

Chemiewaffen sind übrigens keineswegs eine Waffe der Neuzeit: Bereits in den Schlachten der Antike wurden mit dem giftigen Gas Menschen unterdrückt, ausgeschaltet und getötet. Während der Industrialisierung des Krieges wurden neue Methoden der Kriegsführung entwickelt, die für immer mehr Tote verantwortlich waren. Für die Staaten galten chemische Waffen als eine Art Kompromiss: sie sind abschreckender als konventionelle Waffen, aber nicht so verheerend wie die Atombombe. Während des Ersten Weltkrieges und später während des Kalten Krieges wurden die toxischen Chemikalien massenweise hergestellt. Auch wenn diese Waffen besonders im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kamen, wurden sie auch während des Zweiten Weltkriegs von allen beteiligten Kriegsparteien produziert. Später haben sich auch einige andere Länder an der chemischen Aufrüstung beteiligt, besonders Staaten des Nahen Ostens.

Der nun veröffentlichte UN-Bericht zeigt, dass gerade im Nahen Osten noch immer Giftgas eingesetzt wird ­– sowohl von der syrischen Regierung als auch von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat. ARTE Info geht der Geschichte der Chemiewaffen nach, von Anfang des 20. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart, von ihrer Erfindung bis hin zur ihrer Zerstörung.

Was ist eine chemische Waffe?

Ab wann gelten Giftgase als chemische Waffen? Und welche Auswirkungen haben sie, welche Symptome verursachen sie? 

Welche Gefahren gibt es weltweit?

Die Welt hat noch lange nicht mit dem Thema Chemiewaffen abgeschlossendie: Die größte Gefahr bergen vielleicht der Fortschritt der Wissenschaft und die Bedrohung durch Terrororganisationen.

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Das Großprojekt der Abrüstung

Mit dem Inkrafttreten der Chemiewaffenkonvention im Jahr 1997 hat die Weltgemeinschaft den umfangreichen Prozess der Abrüstung in Angriff genommen.

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OPCW und Global Green: Die wichtigsten Akteure im Porträt

Diese Männer widmen ihr ganzes Berufsleben dem Versuch, chemische Waffen weltweit abzuschaffen. Wir treffen Scott Cairns, Inspektor bei der OPCW, und den Abrüstungsspezialisten Dr. Paul Walker. 

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Unterzeichnerstaaten, Chronologie der Angriffe und Grauzonen

Welche Länder haben die Chemiewaffenkonvention ratifiziert, welche nicht? Und warum? Antworten finden Sie hier. 

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Mit der Chemiewaffe leben

Millionen von Menschen mussten einen chemischen Angriff durchmachen, haben Opfer behandelt oder leben auf von toxischen Blindgängern verseuchtem Land. Hier die Berichte von einigen unter ihnen, von Belgien bis nach Syrien.

Chemiewaffen: Eine Bibliographie

Um sich noch weiter über das Thema zu informieren, hier einige Büchervorschläge.