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Ein "Unberührbarer" wird Indiens neuer Präsident

Länder: Indien

Tags: Präsidentschaftswahl, Narendra Modi

Ram Nath Kovind von der Regierungspartei BJP wird Indiens neues Staatsoberhaupt. Knapp 4.900 Parlamentarier und Vertreter der Bundesstaaten hatten am Montag ein neues indisches Staatsoberhaupt gewählt. Nun steht das Resultat fest. Zum ersten Mal in der Geschichte der größten Demokratie der Welt standen sich bei der Wahl zwei "Dalits"-Kandidaten gegenüber, zwei Angehörige der ehemaligen niedrigen Kaste der "Unberührbaren". ARTE Info stellt die beiden Anwärter auf das höhste Amt Indiens vor.

Un « Intouchable » sur le point de diriger l’Inde ?
Ein „Unberührbarer“ wird Indiens neuer Präsident Ein „Unberührbarer“ wird Indiens neuer Präsident Ein „Unberührbarer“ wird Indiens neuer Präsident

 

16%

der indischen Bevölkerung gehören der ehemaligen Kaste der "Unberührbaren" an. 

Zwei (un)gleiche Kandidaten

Ram Nath Kovind gegen Meira Kumar, Mann gegen Frau, Anwalt gegen Diplomatin, Volkspartei BJP gegen Kongresspartei. Nur eines hatten die beiden Kandidaten um den Präsidentenposten gemein: Sie entstammen der ehemaligen Kaste der "Unberührbaren". Ihre Mitglieder werden auch Jahre nach der Lockerung des starren Kastensystems immer noch diskriminiert. So wird ihnen oft der Zugang zu Brunnen oder Tempeln verwehrt, da sie traditionsgemäß als "unrein" gelten.

Die Entscheidung der BJP und der Kongresspartei "Dalits" als Präsidentschaftskandidaten aufzustellen, ist alles andere als eine soziale Geste. Das wissen auch die "Unberührbaren". Sie fürchten, dass sich ihre Situation trotz der Wahl einer der ihren zum Präsidenten nicht verbessern wird. Ram Nath Kovind und Meira Kumar ins Rennen zu schicken, basierte auf politischem Kalkül. Denn die "Unberührbaren" machen 16 Prozent der indischen Bevölkerung aus und Premierminister Narendra Modi von der BJP will seine Macht weiter ausbauen.

 

Machtspiele hinter den Kulissen

Den Posten des Präsidenten einem "Dalit" abzutreten, war dabei ein kluger Schachzug. Denn ähnlich dem deutschen Bundespräsidenten nimmt auch das indische Staatsoberhaupt eher repräsentative Aufgaben wahr. Er ist der Oberbefehlshaber der Armee, vertritt den Staat im In- und Ausland, unterzeichnet Gesetze und hält sich ansonsten weitestgehend aus dem Tagesgeschehen heraus.

Die Regierungsgewalt liegt beim Premierminister, derzeit also bei Narendra Modi der hindu-nationalistischen, rechtskonservativen Volkspartei BJP. Und Modi hält die Zügel der Macht fest in der Hand. 2014 gewann er die Parlamentswahl mit überwältigender Mehrheit. Die einzige Partei, die der BJP gefährlich werden könnte, die einst mächtige Kongresspartei, ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Daran konnte auch der beeindruckende Lebenslauf der Diplomatin Meira Kumar nichts ändern. Hinzu kommt, dass die Opposition stark zerstritten ist. So hat die Regierungspartei mit dieser Wahl ihre Machtbasis, auch in Hinblick auf die Parlamentswahlen 2019, noch einmal gefestigt.       

Zuletzt geändert am 20. Juli 2017