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Ein Abend mt Günter Grass

Länder: Deutschland

Tags: Literatur, Günter Grass, Nobelpreis

Günter Grass, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart, ist am Montag im Alter von 87 Jahren verstorben. Günter Grass galt seit dem Welterfolg seines Romans "Die Blechtrommel", der 1959 erschien, als einer der wichtigsten Autoren der Welt, 1999 erhielt er den Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk. Seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Anerkennung erhielt er auch für sein grafisches Werk.

Die Blechtrommel, sein erster Roman, wurde 1979 von Volker Schlöndorff verfilmt. Es war der erste deutsche Film, der einen Oscar gewann. Ein Ausschnitt:

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"Ein Mensch mit einem großen Herzen", Volker Schlöndorff im Fernsehinterview
"Er hat die Dinge in einen ganz unvergleichlichen Sound gebracht", Gespräch mit der Literaturkritikerin Sigrid Löffler

Sein Debutroman öffnete ihm das Tor zum Ruhm, mit "Die Blechtrommel" rüttelte Grass an der Geschichtsvergessenheit der jungen Bundesrepublik. Sein Name wird mit seinem Erstlingswerk, das 1979 verfilmt wurde, untrennbar verbunden bleiben - auch wenn es an großen Romanen in seinen folgenden knapp zwanzig Prosawerken nicht fehlt. Die "Blechtrommel" ist Teil der Anfang der 1960er Jahren erschienenen "Danziger Trilogie", zu der auch die Novelle "Katz und Maus" (1961) und der Roman "Hundejahre" (1963) gehören. Fast ein halbes Jahrhundert später schrieb Grass seine "Trilogie der Erinnerung" mit den autobiografischen Bänden "Beim Häuten der Zwiebel" (2006), "Die Box" (2008) und "Grimms Wörter" (2010).

 

 

Seine wichtigsten Werke
1959: Die Blechtrommel
1961: Katz und Maus
1963: Hundejahre
1977: Der Butt
1979: Das Treffen in Telgte
1995: Ein weites Feld
2002: Im Krebsgang
2006: Beim Häuten der Zwiebel
2010: Grimms Wörter

 

Überfliegen Sie mit der Maus die einzelnen Buchtitel, dann erfahren Sie mehr zu den einzelnen Werken:

 

Literaturnobelpreis

Na, ein Schock war es nicht!

Günter Grass über seinen Literaturnobelpreis

Für sein Gesamtwerk erhielt Grass 1999 den Literaturnobelpreis. "Na, ein Schock war es nicht", sagte er damals. "Es war Freude, auch ein gewisser Stolz und eine Genugtuung, denn ich habe ja in meinem schwierigen Vaterland nicht nur Lobpreisungen erfahren, mehr im Ausland. Und ich möchte die Gelegenheit auch wahrnehmen, all meinen Gegnern, die gelegentlich sich wie Feinde aufspielen im Umgang mit mir - möchte sie dazu ermuntern, nicht jetzt an den Nägeln zu knabbern, sondern sich mit mir zu freuen."

 

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Für die österreichische Literaturkritikerin Sigrid Löffler ist Grass DIE deutsche Stimme schlechthin zur deutschen Zeitgeschichte, auch wenn er mit seiner Art etwas aus der Mode gekommen ist. Hier geht's zum Interview. 

Spätes Geständnis

In seinem Erinnerungsbuch "Beim Häuten der Zwiebel" bekannte Grass erstmals, als Heranwachsender, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein. Die Öffentlichkeit reagierte entsetzt und enttäuscht, dass gerade der unanfechtbare Mahner und Belehrer diesen dunklen Teil seiner Vergangenheit so lange verschwiegen hatte. Grass sagte damals: "Ich war erst jetzt in der Lage, das so zu machen, und wer richten will, mag richten. Nur - was ich jetzt zur Zeit erlebe, das führt zu einem Aburteilen, als wollte man mich zu einer Unperson machen und all das im Nachhinein in Frage stellen, was mein späteres Leben ausgemacht hat".

 

"Was gesagt werden muss" - Kritik an Israel

Grass schaltete sich zeitlebens in gesellschaftspolitische Debatten ein. So unterstützte er Willy Brandts Aussöhnungspolitik mit Polen und machte Wahlkampf für die SPD. Auf den Marktplätzen und in den Bierhallen der Republik warb er für die Sozialdemokratie und verdammte den konservativen Gegner. 1982 trat er der Partei bei, um zehn Jahre später aus Protest gegen die schärfere Asylpolitik wieder auszutreten. Grass löste heftige Kontroversen aus, zuletzt 2012 wegen des Israel-kritischen Gedichts "Was gesagt werden muss", in dem er auf die explosive Lage im Nahen Osten hinweist.

 

Günter Grass war im August 2004 zu Gast bei ARTE Culture. Hier können Sie sich die gesamte Sondersendung nochmal ansehen:

 

 

Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren, wo er auch zur Schule ging. 1944 wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen, nach der Verwundung als Soldat war er bis 1946 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Bayern. 1947/1948 absolvierte er eine Steinmetzlehre in Düsseldorf und studierte dann von 1948 bis 1952 Grafik und Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. Bis er 1959 mit "Die Blechtrommel" seinen Debütroman veröffentlichte, lebte Grass in Paris.

 

Aus dem Nähkästchen...

Der Regisseur und Intendant der Berliner Staatsoper, Jürgen Flimm, kannte  Günter Grass gut. Die beiden verband ein enges, freundschaftliches Verhältnis. Im Interview mit ARTE Journal hat Jürgen Flimm aus dem Nähkästchen geplaudert.

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016