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Die Olympischen Spiele in Paris 1924 – ein Blick zurück

Länder: Frankreich

Tags: 1924, 2024, Paris, Olympische Spiele

Es ist offiziell: Paris ist Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2024 - genau einhundert Jahre nach den Spielen von Paris 1924. Disziplinen, Organisation, der Olympische Eid… in einem Jahrhundert hat sich vieles verändert. Frauen traten damals etwa noch in Röcken an und beim Hochsprung gab es keine Matte. Ein Blick zurück ins Jahr 1924, als Paris schon einmal die Hauptstadt des Olympischen Trubels war.

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Diese beiden sind nur zwei der erstaunlichsten Disziplinen anno 1924. Am 1. Juli findet in Versailles das Finale im Schießen, Kategorie „Laufender Hirsch“ statt. Sieben Nationen sind vertreten: Großbritannien, USA, Frankreich, Ungarn, Finnland, Norwegen und die Tschechoslowakei. Die Schützen treten im Schießstand an, 100 Meter von der mobilen Zielscheibe in Hirschform entfernt. Hinter ihnen stehen der Schussrichter, die Mitglieder der Jury und der Mannschaftskapitän. Der Schütze verfügt über zehn Schuss und hat zwei Versuche. Die Goldmedaille im Einzelschuss geht an den 35-jährigen Amerikaner John Boles.

 

 

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Donald Macintosh (Australier) erreichte den 3. Platz bei den Olympischen Spielen 1900, in der Disziplin lebende Taubenschiessen. ©© 1900 / Comité International Olympique (CIO) / United Archives

 

Eine Woche später steht dann das Tontaubenschießen an. Das siebentägige Turnier in Issy-les-Moulineaux beginnt am 7. Juli 1924. Am Start sind 69 Schützen aus dreizehn Nationen. Sie werden per Los in Sechsergruppen an drei Schießständen aufgeteilt. Um 9 Uhr 30 fällt der erste Schuss, die Schützen werden nach ihrer Trefferquote gereiht. 25 Meter vom Schützen entfernt bedient in einem geschützten Graben ein Werfer die Wurfmaschinen für die Tontauben. Diese beschreiben eine Kurve von maximal fünf Metern Scheitelhöhe und müssen im Flug abgeschossen werden. Bei den ebenfalls in Paris organisierten Spielen von 1900 waren noch lebendige Tauben losgelassen worden. Aus Tierschutzgründen wurden sie in der Folge durch Tonscheiben ersetzt, den Namen „Tontaube“ haben sie jedoch behalten.

 

Paris 1924 OG, Shooting, clay pigeon Men - The Issy-les-Moulineaux shooting pit.
Paris 1924, Taubenwerfer in Issy-les-Moulineaux, © 1924 / Comité International Olympique (CIO)
 
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Die Pariser Spiele von 1900 waren für den Olympia-Neubegründer Pierre de Coubertin eine herbe Enttäuschung gewesen. Die U-Bahn war nicht zeitgerecht fertig geworden und die gleichzeitig stattfindende Weltausstellung hatte der den Spielen die Zuschauer abspenstig gemacht. Umso mehr sollten die Spiele von 1924 ein Weltereignis werden. Dafür wurde das erste Olympische Dorf für die Athleten gebaut, dazu ein Stadion für 60.000 Zuschauer und ein noch heute genutztes Schwimmbad mit olympischen Ausmaßen. Christine Desseme, Konservatorin am Stadtmuseum für Kunst und Geschichte von Colombes bei Paris, erklärte kürzlich in einem Interview: „Colombes hat das erste Olympische Dorf der Geschichte gebaut. Es bestand aus Holzbaracken am Boulevard de Valmy. Aber es gab auch ein eigenes Postamt und einen Frisör... Diese Spiele gehörten auch zu den ersten live im Radio übertragenen Großereignissen und waren die ersten, die spezielle Merchandising-Produkte entwickelten.“

Auch die sportlichen Leistungen waren auf der Höhe: Der Amerikaner Johnny Weissmüller, der später noch als Tarzan berühmt werden sollte, ist der erste Schwimmer, der über 100 Meter Freistil unter einer Minute bleibt. Er gewinnt insgesamt drei Goldmedaillen. Der Finne Paavo Nurmi geht in den Laufdisziplinen mit fünf Goldmedaillen in die Geschichte ein. Am meisten beeindruckt er die Zuschauer, als er am 10. Juli, 55 Minuten nach seinem Sieg über 1.500 Meter, auch noch den 5.000-Meter-Lauf gewinnt.

 
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1924 waren die Olympischen Spiele zum ersten Mal ein echtes Weltereignis. 1.000 Journalisten aus aller Welt berichteten, die Zahl der nationalen Olympischen Komitees stieg von 29 auf 44. Das französische Organisationskomitee krönte das Ereignis mit einer ursprünglich nicht vorgesehenen Schlusszeremonie - noch eine Premiere in der Olympia-Geschichte.

Zur Schlusszeremonie am 27. Juli 1924 versammeln sich 13.000 Menschen im Stadion vom Colombes. Sie schließt unmittelbar an die letzten Reitwettkämpfe an. Nach den Hymnen der Teilnehmerländer werden die Preise an die Länderkomitees verteilt. Dann werden die Flaggen gehisst: in der Mitte die von Griechenland, dem Ursprungsland der Olympischen Spiele, rechts und links davon die französische und die des nächsten Gastgeberlandes, der Niederlande. Baron Pierre de Coubertin schließt mit den Worten: „Mögen die nächsten Spiele in Fröhlichkeit und Einigkeit verlaufen, auf dass die Olympische Flamme weiter leuchte durch die Epochen, zum Wohle einer immer glühenderen, mutigeren und reineren Menschheit. So möge es sein!“ Zu den Klängen des Chors aus Aubers Historienoper „Die Stumme von Portici“ und der „Hymne an Frankreich“ von Ambroise Thomas wird dann schließlich die weiße Flagge mit den Olympischen Ringen eingeholt.

 

100 Jahre später hat Frankreich die feste Absicht, die Rückkehr der Olympischen Flamme nach Paris zu einem Mega-Ereignis zu machen, mit 36 Austragungsorten und mindestens 10.000 Athletinnen und Athleten aus 200 Ländern.

Zuletzt geändert am 14. September 2017