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Die dschihadistische Weltkarte

Länder: Afghanistan, Algerien, Indonesien, Irak, Mali, Pakistan

Tags: Islamischer Staat, Dschihad

Seit den Luftangriffen der internationalen Koalition im September 2013 sollen laut eines im Januar veröffentlichten Berichts der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 1352 Dschihadisten ums Leben gekommen sein. ARTE Journal zeichnet das erschreckende Portät von 17 dschihadistischen Gruppierungen, die um den Globus herum agieren.

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Islamischer Terrorismus - eine Begriffserklärung

Mit dem Begriff wird ein Terrorismus bezeichnet, der durch extremen religiösen Fanatismus vor dem Hintergrund islamistischer Ideologie motiviert ist. Die Mitglieder der Terror-Gruppen berufen sich zur Rechtfertigung ihrer Aktionen auf die Grundlagen des Islam, den Koran und die Sunna.

 

Die Ideologie des Dschihad

Zentral ist die kompromisslos kriegerische Interpretation des Begriffs "Dschihad". Dieser wird als legitimierter militärischer Kampf zur Ausweitung und Verteidigung des Gebiets des Islam (Dar al-Islam) verstanden.
Ein wichtiges Denkmuster hierbei ist die Aufteilung der Welt: in den Einflussbereich des Islam (Dar al-Islam) und den Rest (Dar al-Harb). Interessanterweise finden sich diese Begriffe nicht im Koran. Daraus resultiert aber ein Anti-Amerikanismus bzw. die radikale Ablehnung westlicher Denk- und Lebensweisen. Dementsprechend ist sämtliche weltliche Autorität für die islamistischen Terroristen nicht bindend.

Hinzu kommen Lehren, die auch den Kampf gegen muslimische Herrscher rechtfertigen, wenn diese nach dem Masstab der Terroristen vom Islam abfallen, zum Beispiel nicht die Scharia anwenden. Insofern spricht man in der Forschung von einem "Nahen Feind" (muslimische Regime) und einem "Fernen Feind" (Westliche Welt).

 

Nach dem "Nahen", den "Fernen" Feind bekämpfen

Viele Wissenschaftler erklären den internationalen islamistischen Terrorismus aus dieser dualistischen Dynamik. Demnach entstanden zunächst in einzelnen muslimischen Ländern Terrororganisationen, die die eigenen Regierungen stürzen wollten.

Da dies nicht gelang, fanden viele religiöse Freiheitskämpfer nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan ein neues Betätigungsfeld. Mit Unterstützung ihrer Heimatländer und der USA bekämpften sie in den 80er Jahren die Sowjetunion.

Erst nach dem Abzug der Sowjets, als der "Nahe Feind" besiegt war, begannen die einzelnen Gruppen, den Kampf gegen den "Fernen Feind", die USA und die Westliche Welt zu organisieren. Eine zentrale Figur hierbei war Osama Bin Laden mit seiner Organisation Al-Qaida.

 

Brennpunkte

Betroffen vom islamistischen Terror sind in erster Linie Menschen im muslimischen Kulturkreis selbst. Dort versuchen die Terroristen, die aus ihrer Sicht illegitimen oder zu pro-westlichen Regime zu destabilisieren bzw. militärisch zu bekämpfen und zu stürzen und danach durch einen fundamentalistischen Gottesstaat zu ersetzen. 

Darüber hinaus gibt es seit 2001 - und dem Anschlag auf das World Trade Center in New York - verstärkte Bemühungen der Terroristen, auch in Europa aktiv zu werden (2004 die Zug-Anschläge in Madrid, 2005 die Anschlagsserie in der Londoner U-Bahn).

 

Die muslimische Welt reagiert uneinheitlich

Die Bewertung des Terrors ist uneinheitlich: sowohl bei der muslimischen Bevölkerung, als auch bei muslimischen Rechtsgelehrten.
Einerseits werden islamistisch motivierte Terroranschläge von Muslimen und Rechtsgelehrten immer wieder deutlich und auch öffentlich verurteilt. Andererseits wird in manchen Erklärungen, wie der von Mekka im Jahr 2006, ein Unterschied gemacht zwischen Heiligen Stätten des Islam und anderen Zielen: sündhaft waren demnach nur Angriffe auf Stätten des Islam.

Das US-Meinungsforschungs-Institut "GALLUP" veröffentlichte 2008 eine Studie: Darin bewunderte die große Mehrheit der Muslime den Westen für seine Demokratie und die bürgerlichen Freiheiten. Gleichzeitig lehnte es eine Mehrzahl aber auch ab, dass man ihren Gesellschaften diese politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufzwingen wolle.

Zuletzt geändert am 4. Februar 2015