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Das Picasso-Museum – eine Farce in vier Akten

Länder: Frankreich

Tags: picasso, Museum

Seit fünf Jahren ist das Picasso-Museum in Paris geschlossen. Seine Wiedereröffnung verzögert sich Monat um Monat... Nun hat die französische Kultuministerin die Museumsdirektorin Anne Baldassari entlassen. Ob das den Touristen und Kunstfreunden hilft, die frustriert vor dem wundervollen Hôtel Salé im Pariser Viertel Marais stehen, weil sie keinen Einlass bekommen?

Schwarze Periode

Die Sache erinnert ein bisschen an deutsche Großprojekte. Die Eröffnung: immer wieder verschoben. Eine chaotische Baustelle, über die die Verantwortlichen den Überblick verloren zu haben scheinen. Unregelmäßigkeiten überall. Scharfe Debatten in Kultur und Politik. Aber sie spielt mitten in Paris, und der Gegenstand ist kein technisches Wunderwerk, sondern ein gediegenes Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert. Es leiden: Kunstfreunde, die unsichtbaren Werke, die Mitarbeiter des Museums, die Erben Picassos, der Ruf der Stadt Paris...

 

Erster Akt

Das Arbeitsklima im Musée Picasso muss schlecht gewesen sein, sehr schlecht sogar. Das belegen die Kündigungen vieler Mitarbeiter. Zwei Berichte belegen, dass das Museum nicht funktioniert hat. Die Direktorin: autoritär, ohne Managementqualitäten, ohne klar definiertes Projekt. Das Personal ohne Führung, Chaos. Und ein Problem mit dem Spar-Staat, der die für die Eröffnung nötigen 40 Museumswächter einfach nicht einstellt.

 

Zweiter Akt

Die Familie Pablo Picassos wird langsam sauer. Sohn Claude erklärte gar: „Mein Vater ist Frankreich scheißegal“. Das ist starker Tobak. Es gibt also eine dritte Partei, die sich neben Kultusministerium und Museumsdirektorin an den Feindseligkeiten beteiligt.

 

Dritter Akt

Jetzt werfen sich auch der Präsident und der Regierungschef in den Kampf. Letzterer empfing Claude Picasso und versicherte, man sei an höchster Stelle um das Kulturgut Picasso bemüht. Folgt die Ankündigung, sofort die für die Sicherheit des Kulturschatzes nötigen 40 Aufseher einzustellen.
Auch die Nachbarn mischen mit. Es gibt Streit um Parkplätze. Die Museumsmitarbeiter gehen auf Blockadekurs. Sie wenden sich gegen eine „Eröffnung um jeden Preis“. Die ist jetzt für Mitte September geplant.

 

Vierter Akt

Endlich sucht Kulturministerin Aurelie Filipetti einen Nachfolger für die entlassene Museumsdirektorin. Sie verspricht, diese Frage binnen 15 Tagen zu regeln. Neben dieser guten Nachricht gibt es auch eine schlechte: einem neuen Gutachten zufolge ist die Eröffnung des Hauses frühestens 2015 möglich. Bisher wurden 52 Millionen Euro für die Renovierung ausgegeben. Davon finanzierte der Staat 19 Millionen Euro, 31 Millionen Euro wurden durch Ausstellungen der Werke Picassos in der ganzen Welt eingenommen, 2 Millionen gaben Mäzene.
 

 

Die Geschichte des "Musée Picasso"

1973: Picasso schenkt dem französischen Staat seine persönliche Sammlung
1979: Die Picasso-Erben ziehen mit der Schenkung mehrere tausend Werke nach
1985: Eröffnung des Picasso-Museums in Paris
1992: Jaqueline Picasso übergibt dem Picasso-Museum 300 Werke
2005: Anne Baldassari wird Museumsleiterin
2009: Das Picasso-Museum wird wegen Renovierung geschlossen
2008 – 2013: Die Sammlung geht auf Reisen. In 13 Ländern werden 20 Sonderausstellungen gezeigt
13. Mai 2013: Anne Baldassari wird von ihrem Posten als Museumsdirektorin entbunden

 

 

 

 

 

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016