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Daloa und der Traum von Europa

Länder: Elfenbeinküste

Tags: Daloa

Aus der drittgrößten Stadt der Elfenbeinküste, aus Daloa, brechen jede Woche dutzende Ivorer Richtung Europa auf. Nicht Krieg, Terror oder brutale Diktatur treiben sie über das Mittelmeer, sondern die Hoffnung auf ein besseres Leben.

Wie geht die Stadt mit diesem Problem um? Was sind die Anliegen und Beweggründe der jungen Migranten? Und was könnte sie von dem gefährlichen Unterfangen abhalten? Begeben Sie sich mit ARTE an einen der Orte, an dem die Migration nach Europa beginnt und lassen die Einwohner Daloas zu Wort kommen. 

 

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Erwähnt man in der Elfenbeinküste die Stadt Daloa, dann dauert es für gewöhnlich nicht lange bis ein Begriff fällt: die Abwanderung nach Europa. Für jene Ivorer, die vom Eldorado auf der anderen Seite des Mittelmeers träumen, beginnt die Reise oft hier, im Inneren des Landes, 380 Kilometer entfernt von der Wirtschaftsmetropole Abidjan.

In Kleinbussen brechen sie Richtung Norden auf. Ihr Weg führt über Burkina Faso, durch die Wüste des Niger bis nach Libyen. Das Chaos, das dort seit Ausbruch des Bürgerkriegs herrscht, erleichtert ihnen die Durchreise bis an die Küste.

Über 10.000 Ivorer sind laut dem UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR zwischen Januar und Oktober 2016 über das Mittelmeer nach Italien gekommen. Damit gehört die Elfenbeinküste zu den fünf Ländern, aus denen seit Beginn des Jahres am meisten Migranten an der italienischen Küste ankommen. Jene, die aufbrechen, fliehen nicht vor Krieg oder Verfolgung, sondern in der Hoffnung auf bessere wirtschaftliche Perspektiven.

In Daloa macht sich die Abwanderung besonders bemerkbar. Bis vor wenigen Monaten hätten laut Behörden täglich bis zu 120 Menschen die Stadt verlassen. Heute seien es um einiges weniger "ganz einfach weil es hier kaum mehr junge Menschen gibt", bedauert der Vorsitzende der Jugend von Daloa, Mamadou Soro. "Mittlerweile kommen die Menschen aus dem ganzen Land in Daloa zusammen, um von hier aus die Reise nach Europa zu wagen", fährt er fort. 

Versucht man zu verstehen, was die Stadt zum Aufbruchsort macht, dann nennen die Einwohner drei Gründe: ein gut etabliertes Schleppernetz, eine Art Modeerscheinung - denn die Aufbruchskandidaten wollen ihren Bekannten, die es nach Europa geschafft haben, nacheifern  -  und der Mangel an Arbeit. 

Nach dem Schulabschluss leben die jungen Ivorer in der 260.000-Einwohner-Stadt vor allem von Kleinjobs in zwei Bereichen: dem Handel und dem Transport. Fabriken gibt es kaum, obwohl die Region zu den größten Kakao-Anbaugebieten den Landes zählt. Die Einwohner beklagen, nichts von dem wirtschaftlichen Aufschwung zu spüren, den die Elfenbeinküste in den letzten Jahren erlebt. 

Während Gemeinde und Ministerien nach Lösungen suchen, um der Abwanderung Herr zu werden, schreckt die Jugend Daloas in der Hoffnung auf ein besseres Leben weder vor der gefährlichen Durchquerung der Wüste, noch vor einer Gefangenschaft in Libyen oder der riskanten Überquerung des Mittelmeers zurück.

Zuletzt geändert am 3. Juli 2017