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Countdown Afghanistan

Länder: Afghanistan

Tags: Bürgerrechte

Der Dokumentarfilm "Countdown Afghanistan" reist zu Afghanen, die auch nach dem bevorstehenden Abzug der westlichen Truppen für Frieden, Bildung und Gleichberechtigung kämpfen wollen. ARTE Info stellt Ihnen drei von ihnen vor. 

Maria

Maria (40), hier auf dem Titelbild, hat im Laufe ihres Lebens den Aufstieg und Niedergang vieler Regime miterlebt: Als Schülerin  wuchs sie im sowjetisch besetzten Afghanistan auf, studierte während der Kämpfe der Mujaheddin und war eine junge Mutter, als die Taliban die Macht übernahmen. Heute ist sie als einzige weibliche Staatsanwältin Afghanistans ein lebender Beweis für die Fortschritte der Frauenrechte im Land. Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit ist eine Provokation für einflussreiche, mächtige Männer. Maria und ihre Familie sind ständig der Gefahr eines Anschlags ausgesetzt. Auf ihr Haus wurde bereits ein Bombenangriff verübt, bei dem zwei ihrer Leibwächter schwer verletzt wurden. Nie bewegt sich Maria ohne ihre Sicherheitskräfte in der Öffentlichkeit, jeder ihrer Mandanten wird zunächst durchsucht, bevor sie ihn empfängt. Ihre Kinder sind stolz, die Mutter besorgt. Sie bittet Maria ihren Beruf aufzuhören, doch diese denkt nicht daran, ihren Kampf aufzugeben. Die Staatsanwältin appelliert auch an die internationale Gemeinschaft: Diese dürfe keinen Rückfall in die Zeiten der Unterdrückung zulassen.

 

Lotfullah

Lotfullah (25) ist Chefredakteur des Fernsehsenders Tolo News in Kabul. Mit ungetrübtem Optimismus und dem Glauben in die junge Generation leitet Lotfullah die Redaktion. Dabei gleicht sein Beruf einer Berufung: Sieben Tage die Woche arbeitet er im Sender, häufig mehr als zehn Stunden am Tag. Sein Nachrichtensender ist Teil eines allgemeinen Medien-Booms, der den Zeiten der unterdrückten Meinungsfreiheit folgte. Obwohl Lotfullah zur in der Vergangenheit verfolgten  Minderheit der Hasara gehört und sich mit der liberalen Berichterstattung seines Senders viele Feinde macht, denkt er nicht daran, das Land zu verlassen. Er will Geschichte schreiben und glaubt nicht an die Rückkehr der Taliban. Seine Hoffnungen ruhen auf dem Rücken der jungen Generation, die nach dem Fall des Taliban-Regimes aufwächst.

 

 

 

 

Massoma

Massoma (31) ist Gründerin und Direktorin einer Privatschule in Herat. Bildung hat in ihrem Leben oberste Priorität: Nach dem Ende der Taliban-Herrschaft war Massoma eine der ersten Studentinnen der Universität Herat, danach gründete sie die Schule, ihr Lebensprojekt. Auch für die Bildung ihrer beiden Kinder setzt Massoma sich ein und in Afghanistan sieht sie deren Zukunft eher pessimistisch entgegen. Sie befürchtet, dass mit dem Abzug der NATO-Truppen die Taliban wieder erstarken. Damit könnten sie und ihre Schule, in der Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet werden, zur Zielscheibe  der Extremisten werden. Ohne eine Unterstützung des Westens sieht Massoma keine Zukunft in Afghanistan, notfalls wird sie fliehen; ihren Kindern und der Schule selbst zu liebe. Der nützt sie als finanzielle Unterstützerin aus dem Ausland mehr, als in der Rolle der Bildungsmärtyrerin in Herat.

 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016