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Bargeldtransfer: Migranten als treue Kunden

Länder: Welt

Tags: Western Union, Bargeldtransfer, Flüchtlinge

Der Weg von Nordafrika bis nach Europa ist beschwerlich und lang. Und dennoch machten sich 2015 ganze Menschenströme auf den Weg zu uns nach Europa.  Doch die Reise kostet viel Geld: Schlepper müssen bezahlt werden, ebenso Busse, Bahnen, Taxis, Essen, Kleidung und Handygebühren, um den Kontakt nach Hause nicht zu verlieren. Doch das Risiko, unterwegs bestohlen zu werden oder das Geld zu verlieren ist zu groß, um mit hohen Summen zu reisen. Deshalb nehmen die Migranten nur einen Bruchteil mit. Wird das Geld unterwegs knapp, schickt die Familie via Bargeldtransfer etwas nach. 

Dienstag, 26. Januar

23:15

Money in Minutes

Geschäftsgrundlage der weltweit florierenden und profitablen Finanzdienstleister-Industrie ist die internationale Arbeitsmigration. 

Das Geldtransferunternehmen Western Union ist auf dem Gebiet marktführend und das nicht ohne Grund. Der Konzern hat seine Filialen gut platziert: allein entlang der Balkanroute verfügt das Unternehmen über 26.000 Zweigstellen – oft haben sie sich in Kiosken oder bei anderen Banken einquartiert. Dafür gibt es zwei ganz pragmatische Gründe: zum einen muss der Konzern keine Filialen bauen und zum anderen sind diese Partnerschaften mit lokalen Kioskbesitzern die beste Möglichkeit, um das weltweite Netz nach Bedarf auszubauen. Es ist eine win-win Situation: Über die Internetseite von Western Union kann sich jeder Kioskbesitzer als Vertragspartner bewerben. Stuft das Unternehmen ihn als vertrauenswürdig ein, bekommt er eine Schulung und Überweisungssoftware. Für jede Transaktion erhält der Ladenbesitzer eine Provision. Auf diese Weise hat Western Union in der Türkei – der oft ersten Reiseetappe der Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa -  die Zahl seiner Filialen von 30 auf gut 7.000 gesteigert.

Western Union konnte in der Türkei – der oft ersten Reiseetappe der Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa -  die Zahl seiner Filialen von 30 auf gut 7.000 steigern. Daniel Grandclément schloss sich Flüchtlingen bei der Überfahrt nach Europa an.

 

Migranten sind die besten Kunden der Bargeldtransferunternehmen

Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungshilfe schätzt, dass die meisten Flüchtlinge sich erst auf den Weg machen konnten, da Verwandte oder Bekannte, die bereits vor Jahren nach Europa kamen, ihnen via Bargeldtransfer Geld zukommen ließen. Denn sind die Migranten erst einmal in ihren Zielländern angekommen, sind sie die besten Kunden der Transferunternehmen: Nachdem ihr Asylantrag genehmigt wurde, dauert es oft noch Jahre bis die Familie nachziehen kann. Und in dieser Zeit bleiben sie den Geldtransferunternehmen treu. In anderen Fällen zieht die Familie nicht nach – die Eltern bleiben meist im Heimatland zurück. Das Geld der in den Westen aufgebrochenen Familienmitglieder versorgt sie in diesem Fall. Es dient zur medizinischen Versorgung, Ausbildung der anderen Kinder und für den einfachen Lebensunterhalt. 

 

Rücküberweisungen stiegen mit der Syrienkrise

Die Zahlen zeigen, dass ab 2011/2012 die Rücküberweisungen nach Syrien stiegen. Hier finden Sie unser Webdossier mit Artikeln, Reportagen und Analysen zum Syrienkonflikt. 

 

Und obwohl Migration konstant stattfindet, akzentuieren Krisenherde das Phänomen der Rücküberweisungen. Im Fall Syriens zeigen die Zahlen ab 2011/2012 einen Anstieg der Bargeldtransfers nach Syrien und in die Nachbarländer, die viele syrische Flüchtlinge aufnahmen. „Die Rücküberweisungen haben sich in den letzten Jahren als effizientes Mittel zur Krisenbewältigung herausgestellt“, erklärt Benjamin Schraven vom Institut für Entwicklungspolitik. 1995 übertrafen die Geldsendungen laut Zahlen der Weltbank erstmalig die Entwicklungshilfe

 
Flüchtlingsströme könnten langfristig den Umsatz steigern
© Eric Bergeron

Auf lange Sicht könnten Geldtransferunternehmen wie Western Union von der Flüchtlingswelle profitieren. Hier finden Sie unser Webdossier mit Artikeln, Reportagen und Analysen zum Flüchtlingsstrom.

 

2015 nahm Western Union 5,6 Milliarden US-Dollar ein. Davon war jeder fünfte Dollar ein Gewinn berichtet Zeit Online. Doch damit liegt der Konzern trotz der Flüchtlingsströme nicht über dem Vorjahresergebnis von 2014. Auf längere Sicht könnte das Unternehmen jedoch von der massiven Ankunft der Flüchtlinge in Europa profitieren. Haben diese erstmal ein Einkommen, lassen sie es der Familie in der Heimat via Bargeldtransfer zukommen. „Doch man darf nicht vergessen, dass die Hauptempfängerländer der Bargeldsendungen in Asien und in der Pazifikregion liegen“, erinnert Benjamin Schraven. Die Flüchtlingsströme wirken sich dementsprechend nicht so stark auf die Umsatzergebnisse der Transferunternehmen aus, wie man im ersten Moment vermuten könnte.

 

So funktioniert Bargeldtransfer via Western Union: Alles, was die Kunden von Western Union brauchen, ist einen gültigen Pass. Den zeigen sie am Schalter vor, geben das Ziel des Geldtransfers an und überreichen die gewünschte Summe. Der Mitarbeiter von Western Union teilt seinem Kunden dann eine zehnstellige Nummer mit, die dieser an den Empfänger in der Heimat weiterleitet. Mit einem Pass und dem Zahlencode kann dieser das Geld dann vor Ort abholen. 

Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016