|

USA: Aus der Traum für die "Dreamer"

Länder: Vereinigte Staaten Von Amerika

Tags: USA, Immigration, DACA, Dreamers

Donald Trump hat am Dienstag die sofortige Beendigung des DACA-Programms angekündigt, das Kindern illegaler Einwanderer ein Aufenthaltsrecht gewährt hatte. Von dieser drastischen Maßnahme sind hunderttausende junge Erwachsene betroffen, sogenannte "Dreamer". Das Gesetz wurde von seinem Vorgänger Obama im Jahr 2012 per Dekret eingeführt.

Was bedeutet Trumps Ankündigung für einen Betroffenen? Unser Korrespondent hat in New York mit einem Dreamer über die weitreichenden Folgen gesprochen.

Dreamers : la fin du rêve américain ?
USA: Ungewisse Zukunft für die "Dreamer" Was bedeutet Trumps Ankündigung für die Betroffenen? Wir haben in New York mit einem Dreamer gesprochen. USA: Ungewisse Zukunft für die

 

Wer sind die "Dreamers"?

Der Name "Dreamer" ("Träumer") bezieht sich auf einen Gesetzesentwurf von 2010, den sogenannten "Development, Relief and Education for Alien Minors Act". Insgesamt sind schätzungsweise 800.000 Töchter und Söhne illegaler Immigranten betroffen. Die Mehrheit von ihnen kommt aus Mexiko, der Rest aus anderen lateinamerikanischen Ländern. Die Betroffenen sind in den USA groß geworden und zur Schule gegangen, arbeiten und bezahlen dort ihre Steuern - und kennen keine andere Heimat.

Trumps Vorgänger Barack Obama hatte 2012 den "Dreamers" per Dekret mit dem DACA-Programm ("Deferred Action for Childhood Arrivals") offiziell eine Arbeitserlaubnis eingeräumt und sie vor Abschiebungen geschützt. Das Gesetz erlaubt es den Jugendlichen, unter bestimmten Voraussetzungen im Land zu verbleiben:

 

Die Voraussetzungen:
- Einreise vor dem 16. Lebensjahr
- Mindestalter von 15 Jahren und im Jahr 2012 noch keine 31 Jahre
- Es darf kein Eintrag im Strafregister vorliegen
- Die USA als dauerhafter Wohnhort
- Vorhandene Schulbildung

 

Die "Dreamer" sind dazu verpflichtet, ihre Aufenthaltsgenehmigung alle zwei Jahre zu erneuern. Sie sind demnach den amerikanischen Behörden unterstellt und werden nicht eingebürgert.

 

Warum will Donald Trump den "Dreamers" an den Kragen?

Schätzungen zufolge leben in den USA etwa elf Millionen illegale Einwanderer, die Donald Trump 2016 immer wieder zu seinem Wahlkampfthema gemacht hat. Vor allem die sogenannten "criminal aliens", also kriminelle Einwanderer, standen dabei besonders im Fokus. Bereits bei seinem Amtsantritt versprach Donald Trump, sie auszuweisen und davon wären zwei Millionen Menschen betroffen. Außerdem hatte Trump im Wahlkampf immer wieder versprochen, das DACA-Programm abzuschaffen, durch die die Kinder illegaler Einwanderer vor Ausweisung geschützt sind. In einer Wahlkampfrede in Phoenix im Bundesstaat Arizona am 31. August 2016 betonte er, dass die illegale Einwanderung die amerikanische Wirtschaft jährlich 133 Milliarden US-Dollar koste.

 

Widerstand aus den eigenen Reihen

Da Donald Trump sein Wahlversprechen aber bislang nicht wahrgemacht hatte, forderten zehn US-Bundesstaaten, das Programm auslaufen zu lassen. Falls nicht hatten sie dem US-Präsidenten damit gedroht, dies notfalls vor Gericht zu erzwingen. Sie setzten ihm dafür eine Frist bis zum 5. September. Kritiker meinen, dass DACA den illegalen Einwanderen einen Anreiz gebe, das heißt der illegale Einwanderer werde mit DACA quasi noch für seine Illegalität belohnt.

Das gemäßigte Lager hat in den letzten Tagen, Donald Trump immer wieder dazu aufgefordet, DACA nicht abzuschaffen. Und auch Trumps Republikaner im US-Kongress finden diesen Schritt zu drastisch. Aber er stand unter dem Druck, seine konservative Basis zufriedenzustellen, der er ein entschiedenes Durchgreifen gegen illegale Einwanderung versprochen hatte.

 

Unterstützung von Großunternehmen

Donald Trumps zunächst zögerliche Haltung bezüglich DACA ließ sich auch auf wirtschaftliche Gründe zurückführen. Denn die jungen Erwachsenen erwirtschaften für die USA insgesamt 460,3 Milliarden Dollar. Um die jungen Erwachsenen zu schützen, haben die Chefs verschiedener Großunternehmen, wie Facebook, Apple oder Microsoft in einem offen Brief, den "Dreamers" ihre Unterstützung zugesagt. Die meisten von ihnen leben in Texas, ein Viertel in Kalifornien. Und gerade im Silicon Valley sind viele von ihnen beschäftigt. 

 

Am Montag kündigte Trump an, dem Kongress eine Übergangsfrist von sechs Monaten gewähren zu wollen, um eine Alternative für DACA zu finden.

Zuletzt geändert am 7. September 2017