Auf dem Weg zum grünen Internet

Yourope - Samstag, 2. Mai 2015 - 14:00

Länder: Europäische Union

Tags: Internet, Umweltverschmutzung, Ökologie

Vom Stromfresser zum Öko-Web? Fünf Stunden ist der durchschnittliche europäische Internetnutzer pro Tag online. Egal, ob E-Mails abrufen, Online-Spiele zocken oder auf sozialen Netzwerken chatten – all das verbraucht auch Strom und belastet die Umwelt.

Samstag, 02. Mai

14:00

Yourope

Vom Stromfresser zum Öko-Web? Auf dem Weg zum grünen Internet

 

Eine Google-Anfrage setzt etwa 0,2 Gramm Kohlendioxid frei. Ein digitaler Avatar, sozusagen das Alter Ego im Internet bei Spielen wie zum Beispiel World of Warcraft oder Second Life, kann im Jahr ungefähr so viel CO2 produzieren wie ein echter Mensch in drei Monaten. Fakt ist: Das Internet ist ein Stromfresser.

 

 

Überblick

 

Lulea, Schweden: Facebook am Polarkreis

Straßburg: Europas grünstes Rechenzentrum

Großbritannien/ Niederlande: Wohin mit dem Elektroschrott ?

Italien: Die grünen Affen sind los

 

Zuerst aber unser Faktencheck

 

Yourope SWR4 Faktencheck

Lulea: Facebook am Polarkreis

 

 

facebook pole nord

 

Der Internetgigant Facebook hat sein europäisches Rechenzentrum ganz oben am Polarkreis gebaut – in Nordschweden, genauer in Lulea, einer mittelgroßen Stadt, die bisher das Herz der schwedischen Stahlindustrie war. Aber nachdem die Stahlbranche in den vergangenen Jahrzehnten massiv eingebrochen ist, suchten die Bürgermeister von Lulea nach neuen Wirtschaftszweigen – und vermarkten den Standort jetzte als neues europäisches Silicon Valley. Mit ökologischem Vorteil: denn die riesigen Server der Rechenzentren werden hier ganz natürlich vom arktischen Winter gekühlt. Mittlerweile planen auch andere Firmen wie zum Beispiel BitCoin dort zu bauen. Dadurch wird Lulea für junge Europäer interessant. Zum Beispiel für Lara. Sie kam von Madrid hier her, ursprünglich nur für ein halbes Jahr, aber jetzt will sie bleiben, trotz großer Unterschiede zu ihrer Heimat. Und die Bewohner von Lulea haben durch ihre neuen IT-Nachbarn neues Selbstbewusstsein entwickelt. "Plötzlich sucht man uns auf der Landkarte. Wir sind nicht mehr nur ein Teil Schwedens, in dem es Rentiere und Schnee gibt."

 

Bericht aus Schweden

 

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Straßburg: Europas grünstes Rechenzentrum

 

 

datadocks

 

Mit 15 Jahren hat Thomas Strohe seine Firma gegründet. Die ersten Kundentermine hatte er im Wohnzimmer seiner Eltern. Heute vermarktet er mit seinem Unternehmen "Grünes Internet": der Server "Datadock" soll Europas grünstes Rechenzentrum sein und nur 66 Prozent der Energie benötigen, die herkömmliche Server brauchen. Noch ist Umweltbewusstsein in der Branche ein Randphänomen, viel zu sehr steht nach dem NSA-Skandal noch die Datensicherheit im Vordergrund. Aber, da ist sich Strohe sicher, dem "grünen Internet" gehört die Zukunft.

 

Bericht aus Frankreich

 

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Großbritannien/ Niederlanden: Wohin mit dem Elektroschrott ?

 

 

dechets smartphone

 

Aber es ist nicht nur die Energie, die wir beim Surfen verbrauchen. Die Geräte, die wir dazu nutzen, müssen hergestellt und irgendwann entsorgt werden. Entweder, weil sie kaputt gehen – oder weil wir immer das neueste Gadget haben wollen.

Danni Plöger, Performance-Künstler aus Großbritannien, will auf dieses Problem aufmerksam machen. Und zwar mit vollem Körpereinsatz. Bei einer seiner Aktionen hat er sich Elektroschrott aus Afrika in den Körper einpflanzen lassen. Denn da landet der meiste Schrott aus Europa:  in afrikanischen Ländern wie Liberia oder Nigeria.

Die Erfinder des Fairphones gehen einen anderen Weg: sie entwickeln in Amsterdam ein Mobiltelefon, dass möglichst lange halten soll. Durch Ersatzteile und verlängerte Lebensdauer.

 

 

 

Italien: die grünen Affen sind los

 

 

appli singes verts

 

Vielleicht können wir aber auch das Netz nutzen, um die Umwelt zu schützen. Die Idee hatten junge Entwickler aus Florenz. Ihre App "Green Apes" vernetzt Menschen, die sich umweltbewusst verhalten.

 

singer vert

 

Sei es Fahrrad statt Auto fahren, regionale Lebensmittel einkaufen oder Müll trennen – mit  jeder nachhaltigen Aktion verdient der App-User virtuelle Kokosnüsse. Das langfristige Ziel: irgendwann diese Nüsse zu echten Belohnungen zu machen, zum Beispiel Rabatte im öffentlichen Nahverkehr. Die Stadt Florenz ist begeistert von dem Projekt und hat – auf Initiative der Green Apes – 70 neue Elektroautos fürs Car-Sharing angeschafft. Und im September will auch Essen den grünen Affen einen Dschungel bieten.

 

Bericht aus Florenz

 

 

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Zuletzt geändert am 8. Dezember 2016