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500.000 Illegale im Austausch für Nafta

Länder: Welt

Tags: Alternative news, Nieto, fake news

Mexiko und USA verhandeln aktuell über ihre Beziehungen, das Verhältnis ist angespannt. Mexikos Präsident hat sich deshalb bereit erklärt, 500.000 illegale Migranten zurückzunehmen. So oder so ähnlich hätte diese Meldung durch die Medien gehen können, doch die Nachricht ist ein "Fake", eine Falschmeldung. Seit 2016 sind sie präsenter denn je, die Internet-Phänomene "Fake news", "Hassreden" und "Social bots". Spätestens seit Donald Trumps Amtseinführung gibt es nun noch ein neues Phänomen in der Medienlandschaft, die sogenannten "Alternative news", alternative Nachrichten. Aber wie leicht ist es, Nachrichten glaubhaft zu fälschen? Das wollten wir wissen und haben einen Artikel geschrieben, der halb wahr und halb erfunden ist. Der Journalist und IT-Experte Peter Welchering hat den Text für uns entlarvt. Hätten Sie das auch geschafft? Testen Sie selbst (die Lösung finden Sie weiter unten):

500.000 Illegale im Austausch für Nafta

Das Verhältnis zwischen den USA und Mexiko ist seit der Amtseinführung Donald Trumps als US-Präsident mehr als kompliziert. Die Karten müssen neu verteilt werden, gerade in den Bereichen Handel, Migration und Sicherheit. Deshalb verhandeln beide Länder aktuell in Washington. Mit großen Eingeständnissen auf beiden Seiten.

 

Die Wogen glätten
Das sagt der Experte

Es war wohl die Nachricht des Tages: Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto nimmt 500.000 illegale Einwanderer aus den USA zurück und im Gegenzug lässt Donald Trump das Freihandelsabkommen mit Mexiko (Nafta) unberührt. Nach zweitägigen Verhandlungen in Washington haben sich die beiden Länder überraschend auf ein Abkommen geeinigt. Wohl auch aus der Not heraus, denn das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist angespannt, nicht zuletzt weil Trump Mexiko immer wieder in die Mangel nahm und kritisierte. Deshalb bedurfte es der Gespräche, für die Mexiko genaue Vorstellungen hatte: "Es gibt klare rote Linien, die wir von Anfang an festlegen. Jeder Vertrag, der die wirtschaftlichen und sozialen Interessen Mexikos verletzt, ist nicht hinnehmbar", sagte der mexikanische Außenminister Luis Videgaray Caso. Dennoch machte Nieto Eingeständnisse, um die Wogen ein wenig zu glätten und die Beziehungen nicht weiter unnötig zu belasten.

Außerdem könne er so verhindern, dass Trump diese Menschen ausweisen lässt. "Es ist besser, wenn sie mit offenen Armen in ihrer Heimat empfangen werden, als wenn die USA ihnen einen Fußtritt verpasst", so Nieto. Denn genau das hat Donald Trump vor, wie er bereits im Wahlkampf deutlich machte. Vor seiner Wahl hatte er angekündigt, er wolle Millionen Einwanderer ohne Aufenthaltsberechtigung abschieben. Nietos Ankündigung spielt ihm nun in die Hände. Sie ist trotzdem nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

 

Mexiko und USA: wichtige Handelspartner
Das sagt der Experte

Im Gegenzug sicherte Trump zu, das Freihandelsabkommen Nafta, dessen Zukunft er neu verhandeln wollte, in der aktuellen Form beizubehalten. Vorerst. Für Mexiko ist das eine gute Nachricht, denn das Land hängt stark von den Vereinigten Staaten ab, 80 Prozent seiner Exporte gehen in die USA. Außerdem ist Mexiko der zweitgrößte Kunde für US-Produkte. Auch die Vereinigten Staaten brauchen Mexiko als Verbündeten, denn insgesamt sechs Millionen Arbeitsplätze hängen vom Handel mit Mexiko ab.

Der unüberwindbare Mauerbau

Lange hatte er sie angekündigt, nun wird sein Versprechen Wirklichkeit: Donald Trump beginnt mit dem Bau einer Mauer an der 3.000 Kilometer langen Grenze zu Mexiko. Dafür berief er eigens den "Großen Tag in Sachen Nationale Sicherheit" ein. Mit der Mauer will der US-Präsident die Einwanderung illegaler Migranten stoppen. Dass Mexikos Präsident Nieto 500.000 Einwanderer zurücknimmt, ist ihm nicht genug.

 

Finanziert werden soll der Bau der Mauer vorerst mit Staatsmitteln, wobei sich nach Trumps Wunschvorstellung Mexiko an den Kosten beteiligen sollte. Das hat das Land bislang zurückgewiesen und immer wieder betont, dass es nicht für die Kosten aufkommen würde.

 

Tipps vom Experten

 

Hier die Lösung: Was haben wir erfunden?

Eigentlich sollten sich Donald Trump und Enrique Peña Nieto zu Verhandlungen treffen, doch diese wurden kurzfristig abgesagt. Dass die beiden also miteinander gesprochen haben, ist ein "Fake".

Auch das Angebot Nietos 500.000 illegale Mexikaner aus den USA zurückzunehmen, wenn Trump dafür das Freihandelskommen Nafta unangetastet lässt, ist frei erfunden. Auch das folgende Zitat Nietos ist völlig aus der Luft gegriffen: "Es ist besser, wenn sie mit offenen Armen in ihrer Heimat empfangen werden, als wenn die USA ihnen einen Fußtritt verpasst".

Alle anderen Informationen sind allerdings korrekt. Genau das macht den Fall so schwierig: Zum Einen haben wir geprüfte neben frei erfundenen Informationen sowie echte neben unechten Zitaten. Eingebettete Tweets untermauern die Aussagen. Hinzu kommt, dass ARTE den Ruf eines seriösen Senders genießt, der ordentlich recherchiert. Aber unser Test beweist, dass man Zuschauer und Leser, die Medien blind vertrauen, auch auf eine falsche Fährte locken kann. Bei uns war es nur ein Test, aber auch ein Beweis dafür, wie schnelle falsche Meldungen unter das Volk gebracht werden können.  

 

 

>> Mehr zum Thema: Die französische Tageszeitung Le Monde hat eine Liste mit 600 Webseiten erstellt, die regelmäßig "Fake News" veröffentlichen. 

Zuletzt geändert am 27. Januar 2017